HOME

Schwalmtal: Polizei ermittelt gegen Familie des Schützen

Wusste noch jemand von den Mordplänen des Rentners? In Schwalmtal hatte der 71-Jährige im Zuge eines Scheidungsstreits drei Menschen erschossen. Gegen ihn ist Haftbefehl erlassen worden. Allerdings verhört die Polizei auch die Ehefrau und die Tochter des Schützen - als Beschuldigte.

Nach dem Blutbad von Schwalmtal ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die Ehefrau und die Tochter des geständigen Todesschützen. Beide seien als Beschuldigte vernommen worden, sagte der Mönchengladbacher Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff am Mittwoch in Düsseldorf. Zwar bestehe nicht der Verdacht, dass sie sich an der Tat selbst beteiligt hätten. Doch sei nicht auszuschließen, dass sie gewusst hätten, dass etwas passieren würde.

Bei der Familientragödie im niederrheinischen Schwalmtal hatte ein 71-Jähriger Rentner am Dienstagnachmittag drei Menschen getötet und einen weiteren lebensgefährlich verletzt. Ehefrau und Tochter seien nach den Schüssen im Haus geblieben, während sich der Rentner ins Obergeschoss zurückgezogen hatte. Ein Mönchengladbacher Richter erließ am Mittwochnachmittag Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und Mordversuchs. Waren die Ermittler am Dienstag noch von einem blindwütigen Amoklauf ausgegangen, stellt sich ihnen das Blutbad nach dem Geständnis des Rentners als kaltblütig geplanter Mord dar.

Bei den Todesopfern handelt es sich um zwei Anwälte im Alter von 70 und 38 Jahren sowie einen 48-jährigen Gutachter des Kreises Viersen. Ein weiterer, 40-jähriger Gutachter des Kreises liegt mit zwei Schussverletzungen im Krankenhaus. Er ist mittlerweile außer Lebensgefahr.

Hintergrund des Blutbads ist ein Streit ums gemeinsame Haus nach einer Scheidung. Beim Täter handelt es sich um den Vater der Miteigentümerin des Gebäudes, der inzwischen ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Nach Auskunft der Polizei hat er ausgesagt, er habe diejenigen bestrafen wollen, die das Verfahren in die Länge gezogen hätten. Mit der Bluttat habe er nach eigener Aussage einen Schlussstrich unter einen jahrelangen Streit um das von seinem Ex-Schwiegersohn gekaufte und von ihm selbst mit großem Einsatz umgebaute Haus ziehen wollen. Außerdem habe er ein Zeichen setzen wollen, dass man mit ihm und seiner Familie so nicht umgehen könne.

Täter wollte sichergehen, dass alle tot sind

Am Dienstag gab es nach Polizeiangaben ein Treffen zwischen den zwei Gutachtern des Kreises, zwei Rechtsanwälten und der Tochter des Täters. Dabei sollte der Wert des Hauses für eine Zwangsversteigerung geschätzt werden. Der Rentner habe im Hausflur plötzlich auf die Anwesenden geschossen. Er hatte den Angaben zufolge sieben Schuss Munition in seiner Waffe und schoss noch einmal, als die Rechtsanwälte und Gutachter bereits verletzt auf dem Boden lagen. Er habe sichergehen wollen, dass er alle töten werde, erklärte der 71-Jährige der Polizei.

Die Pistole, mit der der Mann geschossen hatte, stammt nach Angaben des Täters von seinem Vater. Er habe sie ohne waffenrechtliche Erlaubnis aufbewahrt. Gegen den Schützen ist inzwischen Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden.

Der Rentner musste sich bereits im September 2006 vor dem Amtsgericht Mönchengladbach wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er soll zwei Personen mit einem Baseballschläger attackiert haben. Das Verfahren wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit des Mannes eingestellt.

DPA/AP/AFP / AP / DPA