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Schwerer Betrug: Finanzjongleur Windhorst kauft sich frei

Reue und Einsicht tragen an diesem Freitag ein selbstbewusstes Gesicht: Der geständige Angeklagte Lars Windhorst stolziert mit erhobenem Kopf und geradem Rücken durch das Kameraspalier in den Gerichtssaal und lässt sich gelassen auf seinem Platz nieder.

Reue und Einsicht tragen an diesem Freitag ein selbstbewusstes Gesicht: Der geständige Angeklagte Lars Windhorst stolziert mit erhobenem Kopf und geradem Rücken durch das Kameraspalier in den Gerichtssaal und lässt sich gelassen auf seinem Platz nieder. Mit seinem dunkelgrauen Anzug und der altrosa glänzenden Krawatte ist der gebürtige Ostwestfale ganz City-Boy aus London, seiner neuen Wahlheimat. Seine Wangen, die viele noch mit Pubertätsakne in Erinnerung haben, sind glatt, die Augenbrauen schwarz und wie mit der Pinzette abgezirkelt. Windhorst weiß schon vor Beginn der Verhandlung, was ihn erwartet - auf jeden Fall kein Gefängnis. Und das, obwohl er des Betrugs, der Untreue und der Insolvenzverschleppung angeklagt ist.

Doch der 33-Jährige hat sich mit Gericht und Staatsanwaltschaft geeinigt und kann sich mit einer Geldzahlung von 3,5 Millionen Euro an den Geschädigten und das Gericht freikaufen. Das ermöglicht die erst seit August geltende Verständigung im Strafverfahren.

In 35 Punkten war der einstige Jungunternehmer - mit Starruhm und Schulterschlag von Helmut Kohl - angeklagt. Der schwerste war der des Betrugs. Vor acht Jahren lieh er sich rund zehn Millionen Euro von dem Unternehmer Ulrich Marseille und nannte Sicherheiten, die nicht existierten. Statt das Geld innerhalb der vereinbarten vier Monate zurückzuzahlen, blieb er knapp acht Millionen Euro schuldig. Erst im Rahmen des Verständigungsprozesses zahlte er im Sommer erneut 2,5 Millionen Euro an Marseille.

Legt er im nächsten halben Jahr noch einmal 2,5 Millionen Euro nach, will Marseille sich zufrieden geben. Das Gericht verlangt zudem ein Bußgeld von einer Million an die Staatskasse. Kann Windhorst diesen Forderungen nachkommen, darf er damit rechnen, dass er wegen der weiteren Vorwürfe der Untreue und Insolvenzverschleppung nur mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr belangt wird. Außerdem soll er ein Jahresnettoeinkommen als weitere finanzielle Buße an den Staat zahlen. Wie hoch das ist, muss das Gericht noch festlegen.

So läuft es für den Finanzjongleur, der mehrere Unternehmen gründete, leitete und gegen die Wand fuhr, auf eine Geldstrafe hinaus. Gelingt es ihm im Laufe der nächsten Monate, mehrere Millionen Euro aufzubringen, so bleibt er frei. Immerhin traut das Gericht ihm das zu - und Windhorst sich selbst auch. Er deutete an, dass sein Geschäftsgebaren vom Anfang des Jahrtausends seiner Jugend geschuldet gewesen sei. "Mir fehlten die unternehmerische Erfahrung, um mit der Krise umzugehen", hieß es in einer Erklärung, die Anwalt Robert Unger vor Gericht verlas.

Er sei immer davon ausgegangen, das Geld zurückzuzahlen und bedauere sehr, dass Marseille durch ihn großen finanziellen Schaden erlitten habe. Windhorsts Gesicht blieb bei diesen Worten unbewegt. Nur kurz nickte er auf die Frage der Richterin, ob dies seine Erklärung sei. Als er den Gerichtssaal verließ, sagte er: "Ich bin erleichtert, dass die Vorwürfe aus der Welt sind." Nun könne er unbelastet ins neue Jahr starten. Sagte es und stürmte davon. Ein Geschäftsmann, der es wieder eilig hat.

AFP / AFP