HOME

Schwester des Wilderers von Österreich erzählt: Mein Bruder war "kalt und gefühlsarm"

Sie war die "kleine Schwester". Aber schon in der Jugend merkte Rosemarie, dass Alois eine dunkle Seite hat. In einem Interview beschreibt die Schwester des österreichischen Wilderers ihren Bruder.

Der Charakter des österreichischen Todesschützen Alois Huber hat seiner Familie schon vor der Bluttat Sorgen bereitet. "Ich war manchmal schockiert, dass er so kalt und gefühlsarm sein konnte", sagte die Schwester des Jägers und Wilderers in einem Interview mit der "Kronen Zeitung". Alois Huber hatte diese Woche in der Nähe von Melk in Österreich drei Polizisten, einen Sanitäter und sich selbst erschossen. Bei den Morden ging er äußerst kaltblütig vor. Mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet, feuerte er gezielt auf den Brust und Kopf der Einsatzkräfte.

Wegen dessen Charakter habe die Familie schon länger das Gefühl gehabt, "dass alles einmal eskalieren würde", sagte seine 44-jährige Schwester. Doch sie habe sich eher vorgestellt, dass er seiner Familie etwas antut, als anderen Menschen, sagte Rosemarie H.- B.

Seine Leiche brannte im Keller

Der Amoklauf in der Nacht zu Dienstag löste einen Schock in Österreich aus. Offenbar beging Huber die Morde, um einer Festnahme wegen Wilderei zu entgehen. Die Polizei belagerte daraufhin seinen Bauernhof, auf den er sich zurückgezogen hatte. Seine brennende Leiche wurde schließlich in einem geheimen Keller gefunden.

Sie habe schon lange keinen Kontakt mehr zu ihrem Bruder gehabt, sagte seine Schwester in dem Interview. Er habe seine Familie aus seinem Privatleben ausgeschlossen. "Wir wussten das Wenigste von ihm. Wir haben auch von uns aus den Kontakt gemieden und in späteren Jahren niemals ein herzliches Verhältnis zueinander gehabt", sagte Rosemarie H.-B. Ihr Bruder Alois habe sich beispielsweise auch um seine Eltern wenig geschert. "In den letzten fünf, sechs Jahren hat er unserer Mutter nicht einmal zum Muttertag gratuliert." Und das, obwohl Sohn und Eltern nahe beieinander wohnten.

Aus dem Interview wird deutlich: Irgendwann vor vielen Jahren muss sich der Bruder verändert haben. Sie als seine kleine Schwester sei sogar einmal stolz auf ihn gewesen. "Er hat Karate gemacht, ist mit mir Ski fahren gewesen. Als Bub war er ganz lustig in der Familie, wir hatten immer wieder auch sehr viel Spaß", erzählte sie.

"Es muss eine Krankheit dahinterstecken"

Aber schon in ihrer Jugend merkte sie offenbar, dass mit ihrem Bruder irgendetwas nicht stimmte. Es habe eine dunkle Seite an ihm gegeben, sagte sie auf eine entsprechende Frage der "Kronen"-Reporter. Wegen seiner Gefühlskälte habe sie im Jugendalter keinen Kontakt mehr zu ihm haben wollen. Sie geht davon aus, dass ihr Bruder psychisch krank war. Der Tod seiner Ehefrau – Alois Huber war verwitwet - könne zwar ein Auslöser für seinen Amoklauf gewesen sein. "Aber es muss eine Krankheit dahinterstecken", vermutet sie.

Ihr Bruder habe sich viel mit dem Vater gestritten "Genau deswegen hatten wir das Gefühl, dass alles einmal eskalieren würde. Ich hab' Angst um meine Eltern gehabt, Angst, dass er eine Riesenwut entwickelt", sagte die Schwester.

Auf ihr und ihrer Familie liege nun die Last, mit einem Mörder verwandt zu sein. Freunde und Bekannte hätten aber verständnisvoll reagiert. "Im Dorf sind alle mitfühlend und positiv, dafür bin ich wirklich dankbar", sagte sie. Ihre Botschaft an die Hinterbliebenen: "Bitte sagen Sie ihnen, dass es uns endlos leid tut. Dass auch wir nicht verstehen können, warum er Außenstehende mitnehmen musste. Ich schließe sie alle in meine innigsten Gebete ein."

Ein Waffenarsenal und Berge von Geweihen

Die Aufklärung des Falles könnte die österreichische Polizei noch Wochen beschäftigen, heißt es. Vermutet wird, dass Alois Huber im Laufe der vergangenen Jahre noch andere Verbrechen begangen hat. Der Polizei bot sich ein gruseliges Bild, als die Beamten seinen Bauernhof nach dem Amoklauf und seinem Selbstmord betraten. Dutzende Hirschgeweihe türmten sich zu einem wilden Haufen. Hunderte Waffen standen blank geputzt in Reih und Glied in einem selbst gebauten Kellerbunker. Vieles davon hatte der Mann wohl über Jahre mit Einbrüchen zusammengerafft, heißt es jetzt. Eine solche Menge an Waffen könne er nicht legal besessen haben.

Annette Berger