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Seeräuber in Hamburg Tränen und Zittern beim Piratenprozess


Dort wo Klaus Störtebeker vor über 600 Jahren wegen Piraterie zum Tode verurteilt wurde, stehen jetzt wieder mutmaßliche Seeräuber vor Gericht. Am ersten Prozesstag in Hamburg ging es vor allem um das Alter eines der afrikanischen Angeklagten.

Rund 400 Jahre nach dem letzten Piraten-Prozess in Hamburg stehen seit Montag wieder mutmaßliche Seeräuber in der Hansestadt vor Gericht. Die Angeklagten in dem unter großem Medianandrang gestarteten Verfahren sind zehn Männer aus Somalia, denen die Staatsanwaltschaft Angriff auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraub vorwirft.

Am ersten Prozesstag ging es allerdings vor allem um eine Altersfrage: Einer der Angeklagten ist nach eigenen Angaben erst 13 Jahre alt - und wäre damit nicht strafmündig. Die Staatsanwaltschaft hält ihn aber für älter und stützt sich dabei auf Gutachten. Zum Prozessauftakt forderte die Verteidigung, das Verfahren gegen ihn einzustellen.

Schmächtig und in Trainingsjacken

Schmächtig und in Trainingsjacken - so betraten die meisten der Angeklagten den voll besetzten Sitzungssaal. Einige von ihnen humpelten sogar. Als die Anklage verlesen wurde, fing der jüngste von ihnen an zu weinen, sein Körper zitterte.

Sachverständige schätzten das Alter des jungen Mannes auf mindestens 15 Jahre. Ein Teil der 20 Verteidiger beantragte zudem, die Öffentlichkeit aus Rücksicht auf das Alter des Jugendlichen und der Heranwachsenden von der Verhandlung auszuschließen. Dazu will das Gericht beim nächsten Verhandlungstag Stellung nehmen.

Demonstranten vor dem Gerichtssaal

Die zehn Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft am Ostermontag das Hamburger Containerschiff "Taipan" überfallen haben. Demnach verfolgten sie das Frachtschiff rund 530 Seemeilen vor der somalischen Küste. Als der Kapitän Signalraketen auf die Verfolger abschoss, eröffneten sie mit Sturmgewehren das Feuer und enterten schließlich das Schiff, so die Anklage weiter. Die 15-köpfige Besatzung konnte sich noch in einen speziellen Sicherheitsraum retten, verletzt wurde niemand.

In einer gemeinsamen Stellungnahme machten die Verteidiger auf die spezielle Situation der Angeklagten in Somalia aufmerksam. Der ostafrikanische Staat sei durch Hunger, fehlende medizinische Versorgung und Terror gezeichnet. "Das somalische Volk leidet; eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht nicht." Auch einige Demonstranten machten vor dem Gerichtsgebäude auf die Situation aufmerksam. Mit Spruchbändern und Flugblättern protestierten sie gegen die "neokoloniale Ausbeutung Afrikas".

Der nächste Verhandlungstag ist am Mittwoch, den 1. Dezember. Insgesamt hat das Gericht Termine bis Ende März angesetzt.

fw/DPA DPA

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