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Selbsternannter Sektenguru: Oliver Shanti wegen besonders schweren Kindesmissbrauchs verurteilt

Weil er vier Jungen über Jahre hinweg sexuell misshandelt hat, muss der Esoterik-Musiker Oliver Shanti sechs Jahren und zehn Monate ins Gefängnis

Weil er vier Jungen über Jahre hinweg sexuell misshandelt hat, muss der Esoterik-Musiker Oliver Shanti sechs Jahren und zehn Monate ins Gefängnis. Das Landgericht München verurteilte den selbsternannten Sektenguru am Freitag wegen zum Teil besonders schweren Kindesmissbrauchs. Das jüngste Opfer war sieben Jahre alt. "Sie haben noch heute unter den Folgen zu leiden, sie sind gezeichnet fürs Leben", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Kirchinger.

Die inzwischen erwachsenen Opfer des heute 61-Jährigen Shanti hätten als Zeugen "eindringlich die Erniedrigung, das Ekelgefühl und das Ausgeliefertsein" auf dem Landgut Shantis in Portugal geschildert. Shanti hatte sie zum Prozessauftakt als Lügner beschimpft, aber schließlich gestanden, sie in den 80er und 90er Jahren mindestens 76 Mal sexuell missbraucht zu haben. In seinem Schlusswort entschuldigte er sich und bat er das Gericht um ein "barmherziges Urteil". Die Anklage hatte achteinhalb Jahre, die Verteidigung vier Jahre Haft gefordert.

"Der Angeklagte zerfließt nicht vor Reue und Schuldeinsicht", sagte der Richter. Dass der frühere Millionär heute "finanziell und sozial zugrunde gerichtet ist", habe er selbst verschuldet. Strafmildernd seien aber anzurechnen, dass er die letzte Tat 1999 begangen habe und dass er wegen einer ansteckenden chronischen Krankheit in Einzelhaft bleiben müsse. Die Verteidigung kritisierte, dass Shanti in dem Prozess seit August "mit Mundschutz im Kittel in einem Glaskasten zur Schau gestellt" worden sei.

Der Richter sagte, Shantis Anhänger seien ihm hörig gewesen, und für die Kinder hätten ihn wie "eine gottähnlich Person" gesehen. Der wirtschaftlich erfolgreiche Musikproduzent habe ein seine Machtstellung ausgenutzt und die Jungen mit hoher krimineller Energie fortgesetzt zu seiner persönlichen Befriedigung missbraucht.

Freigesprochen wurde er von dem Vorwurf, auch zwei Töchtern eines Gärtners missbraucht zu haben. Shanti sei homosexuell, und die Aussagen der inzwischen erwachsenen Frauen seien zu ungenau gewesen und hätten erhebliche Zweifel gelassen, erklärte der Richter.

Hinsichtlich der Jungen aber folge das Gericht "in vollem Umfang den Ausführungen der Staatsanwaltschaft", sagte Kirchinger. Oberstaatsanwältin Christine Schäfer sagte in ihrem Plädoyer: "Die Kinder waren Leibeigene." Wie ein Feudalherr habe sich Shanti auf seiner Finca "Hunde, Papageien und Kinder gehalten". Er "hat sie angelernt und behandelt wie sein Eigentum. Sie mussten ihm zur Verfügung stehen zu jeder Tag- und Nachtzeit", sagte die Staatsanwältin. "Wenn sie nicht spurten, wurden sie bestraft."

Shantis Anwalt Sebastian Bartels sagte, die Übergriffe auf Shantis Landgut in Portugal seien ein offenes Geheimnis gewesen und von den anwesenden Eltern toleriert worden. "Der Handverkehr wurde normal und geschah sozusagen en passant", sagte der Verteidiger. Zwischen ihm und einigen Opfern habe auch später noch ein freundschaftliches Verhältnis bestanden, denn Shanti sei meist ein freigebiger, hilfsbereiter Idealist gewesen.

AP / AP