Serienmörder Fourniret führt Polizei zu Leichen


Auf seinem ehemaligen Anwesen in den Ardennen hat der mutmaßliche Serienmörder Michel Fourniret die Polizei zu zwei seiner Opfer geführt. Die Mädchen waren 1989 verschwunden.

Der geständige Serienmörder Michel Fourniret hat die Polizei zu den Leichen von zwei seiner Opfer geführt. Im Park des Schlosses von Sautou in den Ardennen gruben die Ermittler Skelette aus, bei denen es sich nach ersten Hinweisen um die sterblichen Überreste der 1989 verschwundenen Elisabeth B. und Jeanne-Marie D. handelt.

Der 62 Jahre alte Franzose habe bei der Entdeckung der Leichen keinerlei Regung gezeigt, berichtete der Staatsanwalt von Reims, Yves Charpenel. "Sein Fall wird die psychiatrischen Experten interessieren." Der Kinderschänder hat die Tötung von neun Menschen gestanden, die meisten von ihnen junge Mädchen, an denen er sich sexuell vergehen wollte.

200 Ermittler durchgruben Anwesen

Der ehemalige Waldarbeiter sagte aus, die zwölf Jahre alte Elisabeth Ende Dezember 1989 im belgischen Namur entführt und ihre Leiche in der Nähe seines Schlosses mit einem kleinen Bagger vergraben zu haben. Die 22 Jahre alte Jeanne-Marie verschwand im März jenes Jahres am Bahnhof des ostfranzösischen Städtchens Charleville-Mezieres. Fourniret vergrub sie offenbar an einer Stelle, wo er an der Verlegung einer Telefonlinie gearbeitet hatte.

Rund 200 belgische und französische Ermittler durchsuchten bis zum späten Samstagabend mit Baggern das abgeschiedene Anwesen nahe der Grenze, das der 62-Jährige 1988 erworben und zwei Jahre später wieder verkauft hatte. Kleidungsreste der Opfer ermöglichten eine erste Identifizierung. Die als erste informierte Mutter von Elisabeth sei in Tränen ausgebrochen, berichtete der Staatsanwalt von Naumur, Cedric Visart de Bocarme. DNA-Analysen sollen in den nächsten Tagen endgültige Klarheit bringen.

Sein französischer Kollege Charpenel sagte, man sei noch nicht fertig damit, die kriminelle Laufbahn Fournirets zu durchleuchten. Doch seien die Leichenfunde ein ermutigender Erfolg. Der 62-Jährige und seine Frau Monique Olivier, deren Geständnis die Affäre letzte Woche ins Rollen gebracht hatte, wurde zurück nach Belgien gebracht. "Ich hoffe, dass wir nicht mehr hierhin zurückkommen müssen", sagte Visart de Bocarme.

In vier von Fourniret gestanden Morden wurde bislang noch keine Leiche und kein materieller Beweis für die Taten gefunden. Staatsanwalt Charpenel sagte, trotz der erfolgreichen Suche in dem 15 Hektar großen Schlosspark sei ein Versuch der Irreführung der Ermittler und Manipulationen nicht ausgeschlossen. Fourniret vermische Wahrheit und Lüge.

Fourniret schon 1987 wegen Vergewaltigung verurteilt

Fourniret war 1987 in Frankreich wegen Vergewaltigung eines Mädchens zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Er kam jedoch schon wenig später auf Bewährung frei, weil er seit 1984 in Untersuchungshaft gesessen hatte. Nach seiner Freilassung kaufte er das Schloss und zog mit seiner Familie nach Belgien. 2003 wurde er von der belgischen Polizei festgenommen, nachdem sich ein 13-jähriges Mädchen aus seiner Gewalt hatte befreien können.

Mit Blick auf die Mordserie forderten deutsche Politiker am Wochenende eine bessere Zusammenarbeit der europäischen Strafverfolgungsbehörden. FDP-Chef Guido Westerwelle sprach sich in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag" für ein europäisches polizeiliches Führungszeugnis aus. Darin müssten die Vorstrafen aus allen EU-Mitgliedsstaaten erfasst sein. Der CDU-Politiker Norbert Röttgen forderte Abkommen, die ein europäisches Verfahrensregister und eine europäische Gen-Datei ermöglichten.

Verena von Derschau/AP AP DPA

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