Serienmorde in England Würger von Ipswich vor Gericht


Als im Dezember 2006 im englischen Ipswich eine Prostituierte nach der anderen ermordet wurde, verglich der Boulevard ihn mit "Jack the Ripper." Es dauerte jedoch nur Wochen, bis die Polizei einen Verdächtigen präsentierte: den Steward eines Kreuzfahrtschiffes. Nun hat der Prozess begonnen.
Von Cornelia Fuchs

Zwei Polizeiwagen begleiteten den weißen Gefangenentransporter auf seiner Fahrt vom Gefängnis zum Gericht in Ipswich. Um 9.10 Uhr am Montagmorgen wurde Steve Wright, 49, dem Richter vorgeführt. Er wird beschuldigt, im Dezember 2006 innerhalb von wenigen Wochen fünf Frauen ermordet zu haben. Alle fünf arbeiteten als Prostituierte im Rotlichtbezirk von Ipswich, bei zwei stellten Gerichtsmediziner Erwürgen als Todesursache fest. Wright bestreitet, die Taten begangen zu haben.

Vergleich mit "Jack the Ripper"

Der Schrecken kam am 2. Dezember 2006 in die Kleinstadt Ipswich im südöstlichen Zipfel Englands. An diesem Tag wurde der nackte Körper der 25-jährigen Gemma Adams in einem Bach gefunden. Es war der Beginn einer Mordserie, die britische Zeitungen zu Vergleichen mit den Taten des Londoner "Jack the Ripper" veranlasste. Der hatte im 19. Jahrhundert in London mehrere Prostituierte ermordet.

Einen Monat zuvor hatte Kerry Nicol ihre Tochter Tania als vermisst gemeldet. Die Polizei suchte mit Flugblättern nach der 19-Jährigen, die als Prostituierte auf dem Straßenstrich in Ipswich arbeitete. Zwei Wochen später, am 15. November, verschwand dann Gemma Adams. Ihr Freund hatte sie noch ins Stadtzentrum begleitet, auch sie schaffte dort an. Als sie nicht zurückkam, ging Gemmas Freund zur Polizei. "Wir haben unsere Tochter an harte Drogen verloren als sie 17 Jahre alt war", sagte ihr Vater Brian Adams. Gemma Adams war in einer behüteten Mittelklassenfamilie aufgewachsen, ging reiten und hatte Klavier gespielt, bevor sie mit 16 Jahren die Schule verließ. Die nachfolgende Ausbildung zur Pflegerin brach sie ab. Sie begann, Heroin zu nehmen. Nach dem Leichenfund am 2. Dezember 2006 ermittelte die Polizei erstmals. Da war noch war nicht klar, dass in der Gegend um Ipswich ein Serienmörder sein Unwesenheit trieb. Am 8. Dezember wurde auch die Leiche der vermissten Tania Nicol gefunden. Ihr Körper lag in einem Teich.

Leiche drei wird gefunden

In Ipswich machte sich die Angst breit. Bereits am 4. Dezember war die nächste junge Frau verschwunden. Annette Nicholls war Alleinerziehende eines achtjährigen Jungen, seit drei Jahren nahm sie Heroin und finanzierte ihre Sucht mit Prostitution. Die Polizei in Ipswich forderte Verstärkung an, es begann der größte Einsatz im südlichen England seit Jahrzehnten.

Am 10. Dezember wurde die dritte Leiche gefunden. Ein Autofahrer hatte den nackten Körper in einem Waldstück an einer Straße liegen sehen, Anneli Alderton war erwürgt worden. Sie war im dritten Monat schwanger. Die Polizei fand später die letzten Aufnahmen der 24-Jährigen auf einer Überwachungskamera - da fuhr sie am 3. Dezember in einem Nahverkehrszug nach Colchester, einer Stadt in der Nähe von Ipswich, einen Tag nachdem die erste Leiche gefunden worden war.

Ein Serienmörder der besonderen Art

Die Polizei sperrte nun ganze Straßenzüge ab. Prostituierte wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Am 5. Dezember hatte Paula Clennell dem englischen Fernsehsender ITV ein Interview gegeben - ja, sie habe Angst, nein, sie werde nicht aufhören zu arbeiten. Der Grund? Sie brauche Geld für Drogen. Fünf Tage später verschwand auch sie, an dem Tag, an dem der Körper von Anneli Alderton gefunden wurde. Die Polizei wusste nun, dass sie es mit einem ganz besonderen Serienmörder zu tun hatte - mit jemandem, den die große Aufmerksamkeit eher noch anzuheizen als zu beunruhigen schien. Appelle richteten sich an den möglichen Täter, die beiden noch vermissten Frauen freizulassen, ihnen nicht zu schaden.

Am 12. Dezember 2006 wurden die Leichen von Paula Clennell und Annette Nicholls gefunden, wenige hundert Meter voneinander entfernt, in der Nähe eines Dorfes bei Ipswich. Danach kehrte so etwas wie Ruhe ein.

Langwierige Ermittlungen bis zum Prozessbeginn

Eine Woche später verhaftete die Polizei den Ex-Gabelstapelfahrer und Ex-Kabinensteward des Luxuskreuzfahrtschiffes QE 2, Steve Wright. Er bestreitet bis heute, irgendetwas mit den Morden zu tun zu haben.

Nach englischem Gesetz durfte seit seiner Verhaftung über den Fall nicht mehr berichtet werden, um die Geschworenen nicht zu beeinflussen. Die Anklage wird nun in dem mindestens sechs Wochen dauernden Prozess die Beweise vorlegen, die sie in den vergangenen Monaten zusammengetragen hat. Und das Gericht wird entscheiden, ob diese Beweise zur Verurteilung ausreichen. Die Familien der Opfer werden im Gericht anwesend sein.

Die Ermordeten wurden im Februar vergangenen Jahres beerdigt, zuletzt Anneli Alderton. Das war am 27. Februar 2007.


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