Serienmorde Schön, nackt und tot


Ganz Großbritannien zittert vor einem zweiten "Jack the Ripper", nachdem nun schon fünf Prostituierte tot in einem Wäldchen gefunden wurden. Die Polizei geht von einem Serientäter aus. Seine "Beute": hübsch und vom Straßenstrich.

In Großbritannien haben hunderte Polizisten in der Nacht zum Mittwoch die Fahndung nach einem Serienkiller fortgesetzt, der mindestens fünf Prostituierte umgebracht haben soll. "Wir müssen den oder die Täter fangen, ehe weitere Frauen ermordet werden", sagte der Leiter des Einsatzes in der ostenglischen Grafschaft Suffolk, Stewart Gull, Reportern. Zwei Frauenleichen waren gefunden worden, die anderen drei in den Tagen zuvor.

Gemeinsames Merkmal: Straßenstrich

Alle fünf Frauenleichen wurden seit Anfang Dezember in einem Umkreis von 15 Kilometern um die Stadt Ipswich gefunden. Die Leichen seien alle nackt gewesen und in abgelegenen ländlichen Gebieten gefunden worden, sagte Chefermittler Gull. Die Frauen im Alter von 19 bis 29 Jahren hatten sich im Rotlichtviertel von Ipswich als "Sexarbeiterinnen" verdingt. Einige waren drogensüchtig und gingen deshalb trotz der Warnungen weiter anschaffen.

Die Polizei wiederholte in mehreren Städten der betroffenen Region immer wieder Aufrufe an Prostituierte, sich von den Rotlichtszenen fern zu halten. Aber auch alle anderen Frauen wurde dringend geraten, sich nur in sicheren Gegenden und möglichst nicht ohne Begleitung im Freien aufzuhalten. Derweil äußerten Psychologen den Verdacht, dass die Ermittler es mit einem Täter zu haben könnten, der Frauen gezielt ermordet, um die Sicherheitskräfte herauszufordern.

Angst vor einem "Reisetäter"

Nach eigenen Angaben schließen die Ermittler nicht aus, dass mehrere Mörder ihr Unwesen treiben. Zudem sei zu befürchten, dass so genannte Reisetäter am Werk seien, die längst die betroffene Region in Ostengland verlassen haben könnten. "Wir verdoppeln unsere Anstrengungen, und wir bekommen Verstärkung aus mehreren Landesteilen", sagte der Polizeichef von Suffolk, Alastair McWhriter.

Der Stadtrat von Ipswich bot derweil allen Prostituierten sofortige Unterstützung an, die möglicherweise drogenabhängig und deshalb trotz der enormen Gefahr auf zahlende Freier angewiesen sind. Ein Drogenhilfeteam stehe bereit. "Gehen sie nicht zur Arbeit auf die Straße, sondern kommen sie zu uns", erklärte ein Sprecher des Stadtrates.

Experten: Schneller als "Jack the Ripper"

Der Serienmörder im britischen Ipswich tötet Experten zufolge schneller als "Jack the Ripper". Die Polizei müsse den Frauenmörder so schnell wie möglich fassen, warnte der Kriminologe Colin Wilson in der Zeitung "Daily Mail". "Die Polizei muss mit Lichtgeschwindigkeit handeln, denn der Mörder von Ipswich wird seine nächsten Angriffe bereits planen."

"Jack the Ripper" versetzte 1888 den Osten Londons in Angst und wurde für den Tod von fünf Prostituierten verantwortlich gemacht. Allerdings konnte ihn die Polizei nie ausfindig machen. Der schlimmste Serienmörder Großbritanniens war der so genannte "Yorkshire Ripper", der in Nordengland zwischen 1975 und 1980 insgesamt 13 Frauen tötete, bevor er gefasst wurde. Auch seine Opfer waren überwiegend Prostituierte.

DPA/Reuters DPA Reuters

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