Sexskandal Eine delikate Aufgabe


Im Sexskandal am Pristerseminar von St. Pölten hat der Sondergesandte des Papstes, Klaus Küng, seine Arbeit aufgenommen. Er will sich ein "objektives" Bild machen. Die Untersuchung wird voraussichtlich drei bis vier Wochen dauern.

Als Folge des St. Pöltener Sexskandals hat der Vorarlberger Bischof Klaus Küng am Mittwoch seine Arbeit als so genannter Apostolischer Visitator für die Diözese St. Pölten aufgenommen. Der 63-Jährige soll im Auftrag Roms die Vorgänge an dem Priesterseminar der niederösterreichischen Landeshauptstadt untersuchen. Am Vormittag traf der Gesandte des Papstes mit dem St. Pöltener Weihbischof Heinrich Fasching zusammen, der die Porno-Affäre in dem Seminar mit ins Rollen gebracht hatte.

Küng kündigte an, er suche das Gespräch mit der Amtsleitung der Diözese und wolle sich ein objektives Bild von der Lage machen. Unter anderem seien Gespräche mit leitenden Priestern in den Gemeinden des Bistums und mit Laien geplant. Nach Einschätzung von Kirchen-Insidern wird die Visitation (Untersuchung) mindestens drei bis vier Wochen dauern.

Pädophile Darstellungen entdeckt

In dem Priesterseminar in St. Pölten waren in den vergangenen Wochen Fotos aufgetaucht, die Seminaristen und Pädagogen bei homoerotischen Handlungen zeigen. Auf Computern wurden auch Bilder mit pädophilen Darstellungen entdeckt. Gegen mindestens einen der 40 Seminaristen will die Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstatten.

Über die Vorgänge im Priesterseminar hinaus wurden anonyme Anschuldigungen gegen ehemalige Seminaristen wegen sexuellen Missbrauchs bekannt. Zuletzt waren auch in Kirchenkreisen Zweifel an der Amtsfähigkeit des als erzkonservativ geltenden Bischofs Kurt Krenn laut geworden, der sich nach wie vor gegen einen Rücktritt stemmt.

Aufenthaltsort von Bischof Krenn unbekannt

Zu Krenns Aufenthaltsort gab es widersprüchliche Angaben. Aus der Diözese hieß es, der Bischof habe seinen angekündigten Urlaub in seiner Heimat angetreten. Andere Quellen vermuteten den Bischof dagegen auf dem Weg nach Rom.

Österreichische Medien werteten am Mittwoch den Schritt des Papstes, Krenn mit einem Gesandten quasi zu entmachten, als deutliche Kritik an Krenns Amtsführung. Der "Kurier" nannte es einen "Paukenschlag": Ein Visitator werde üblicherweise nur ausgeschickt, "wenn man schwere Missstände in einem Bistum vermutet".

DPA DPA

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