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Urteil nach 34 Jahren Kein Schmerzensgeld für ungesühnten Sexualmord an 17-Jähriger


Mehr als 30 Jahre hoffte ein Vater auf die Aufklärung des Sexualmords an seiner Tochter. Jetzt wies ein Gericht die Klage von Hans von Möhlmann auf Schmerzensgeld ab. Grund: Die Tat liegt zu lange zurück.

Der Sexualmord an der damals 17-Jährigen Frederike von Möhlmann aus Niedersachsen bleibt auch nach Abschluss eines Zivilprozesses 34 Jahre später ungesühnt. Am Mittwoch wies das Landgericht Lüneburg eine Klage ihres Vaters Hans auf Schmerzensgeld ab. Die zuständige Kammer begründete ihr Urteil damit, dass die Ansprüche mittlerweile verjährt seien.

Die Schülerin war 1981 in der Nähe von Hambühren bei Celle Opfer eines Sexualdelikts geworden. Der Täter hatte die junge Frau seinerzeit vergewaltigt und anschließend umgebracht. 1982 war ein 22-jähriger Migrant türkischer Herkunft in erster Instanz zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, bevor das Landgericht Stade das Urteil nach erfolgreicher Revision im darauffolgenden Jahr kippte und den Angeklagten rechtskräftig freisprach.

DNA-Proben brachten 2012 neue Indizien 

Der Fall nahm jedoch 2012 eine plötzliche Wendung, als LKA-Experten DNA-Spuren sicherstellen konnten, die eindeutig dem Mann zugeordnet werden konnten. Juristisch ist eine Wiederaufnahme des Verfahrens wegen des erfolgten Freispruchs jedoch ausschließlich möglich, sofern der heute 56 Jahre alte Tatverdächtige von damals die Tat gesteht – was er bis zum heutigen Tag nicht getan hat.

Trotz der erdrückenden Beweislage sah sich der 72-Jährige Hans von Möhlmann über die lange Zeit um einen gerechten Schuldspruch gebracht. Aus dieser Pein heraus wagte er einen juristischen Kniff - der jedoch auch nich von Erfolg gekrönt war.

Der Vater der Ermordeten hatte auf Schmerzensgeld geklagt, ohne wirklich auf das Geld aus zu sein. Vielmehr erhoffte er sich mithilfe dieses Winkelzugs nach der langen Wartezeit eine Klärung der Schuldfrage.

Auch juristischer Trick scheitert

Problem dabei: Nach deutscher Rechtslage verjährt zwar das Delikt nicht. Gemäß Paragraph 199, Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verfallen allerdings Ansprüche auf Schmerzensgeld nach 30 Jahren "ohne Rücksicht auf ihre Entstehung und die Kenntnis oder grob fahrlässige Unkenntnis". Der Gesetzgeber hatte den technischen Fortschritt offenbar nicht vorausahnen können - und bringt so den Vater der Ermordeten auch viele Jahrzehnte nach der schrecklichen Tat um juristisch verbriefte Gewissheit.

lst DPA

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