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Oberster Gerichtshof kippt Urteil: Er ging ins Gefängnis, als Kennedy Präsident war. Fast 60 Jahre später ist er ein freier Mann

Wegen Mordes ging Sheldry Topp als Teenager ins Gefängnis, ohne Aussicht, jemals entlassen zu werden. Doch der Oberste Gerichtshof kippte Urteile wie das seine grundsätzlich. 56 Jahre später ist er frei.

Sheldry Topp war 17 Jahre alt, als er sein Leben endgültig zerstörte. 1962 war das. Topp zerstörte sein eigenes Leben, indem er das eines anderen Mannes beendete. Mit vier Stichen tötete er damals den 50-jährigen Charles Davis. Topp war in dessen Haus eingebrochen, weil es aussah, als würde dort "jemand mit Geld leben". So zitiert es CNN aus den Gerichtsakten von damals. Teenager Topp war geständig und wurde automatisch zu lebenslänglich ohne Chance auf eine Entlassung auf Bewährung verurteilt. Die überwältigende Mehrheit seines Lebens sollte er tatsächlich in Haft verbringen. Am Donnerstag wurde der mittlerweile 74-jährige Sheldry Topp aus der Haft entlassen, wie mehrere US-Medien berichten. 56 Jahre hatte er im Gefängnis gesessen.

Dass Topp überhaupt wieder freikommen konnte, verdankt er laut CNN zwei Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes in den USA. 2012 hatte dieser entschieden, dass die automatische Verurteilung zu lebenslang ohne Bewährung bei Minderjährigen eine "grausame und unübliche Strafe" darstelle und gegen die Verfassung verstoße, selbst wenn der Jugendliche wegen Mordes verurteilt wird. Vier Jahre später dann urteilte der Gerichtshof, dass diese neue Sichtweise auch auf Altfälle angewendet werden darf.

Damit war der Weg frei für Topps Anwälte. Sie starteten einen neuen Versuch, ihn aus dem Gefängnis zu holen. Am Dienstag wandelte ein Richter dann seine Strafe in 40 bis 60 Jahre Haft um. 56 davon hatte er bereits abgesessen, dazu Punkte für gutes Benehmen im Wert von zehn Jahren angesammelt. Somit konnte er zwei Tage später das Gefängnis als freier Mann verlassen – und erst einmal mit seinem Bruder Steak essen gehen, wie CNN berichtet.

Sheldry Topp laut Anklage "irreparabel verdorben"

Die Ankläger hatten 1962 argumentiert, dass Topp nicht aus jugendlicher Unreife gehandelt habe als er in das Haus von Charles Davis einbrach, sich ein Küchenmesser schnappte und ins Schlafzimmer ging, um dort Geld aus dem Nachtschrank zu stehlen. Davis erwachte, es kam zum Kampf, Topp tötete Davis, kappte die Telefonleitung und stahl dessen Auto. Wenig später wurde er gefasst und gestand die Tat. Topp sei damals "irreparabel verdorben" gewesen, argumentierten die Ankläger. Seit seinem zwölften Lebensjahr war er immer wieder in psychiatrischen Einrichtungen gewesen, sein Vater soll ihn schwer misshandelt haben.

Die Praxis, Jugendliche zu lebenslänglichen Freiheitstrafen ohne Bewährung zu verurteilen, ist in den USA sehr umstritten und nicht in jedem Bundesstaat zulässig. Topp war in Michigan der älteste juvenile lifer, wie man die Häftlinge nennt, die bereits im Jugendalter lebenslänglich verurteilt wurden. Zahlreiche alte Urteile mussten dort aufgrund der Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes überprüft werden. Allein in Michigan kamen dadurch laut CNN 82 auf Bewährung frei, 151 wurden erneut verurteilt, fünf davon erneut zu lebenslänglich ohne Bewährung.

Quellen: Detroit Free Press / CNN / Mlive

Dellen Millard steht vor Gericht.
fin
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