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Showdown kurz vor Weihnachten: L´Oréal-Erbin kämpft gegen ihre Tochter vor Gericht

Die reichste Frau Frankreichs dürfte sich ihren Lebensabend anders vorgestellt haben. Statt im Kreise ihrer Familie eine unbeschwerte Zeit zu genießen, muss sich die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt mit ihrer einzigen Tochter einen hässlichen Streit vor Gerichten liefern.

Die reichste Frau Frankreichs dürfte sich ihren Lebensabend anders vorgestellt haben. Statt im Kreise ihrer Familie eine unbeschwerte Zeit zu genießen, muss sich die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt mit ihrer einzigen Tochter einen hässlichen Streit vor Gerichten liefern. Françoise Bettencourt-Meyers wirft ihrer 87-jährigen Mutter vor, im Zustand geistiger Unzurechnungsfähigkeit mit Geld um sich zu werfen. Den extrovertierten Fotografen und Schriftsteller François-Marie Banier hat die Milliardärin mit Geschenken im Wert von knapp einer Milliarde Euro bedacht - und auch andere Freunde erhielten wertvolle Präsente von der Hauptaktionärin des französischen Kosmetikriesen. Die Tochter schaltete deswegen die Justiz ein.

Kurz vor dem Weihnachtsfest sieht es nun so aus, als würde es im kommenden Jahr zum großen Showdown kommen. Am vergangenen Freitag entschied ein Gericht in Nanterre, ein Verfahren gegen den 62 Jahre alten Jet-Set-Liebling Banier zu eröffnen und die Milliardärin zu einer umfassenden medizinischen Untersuchung zu zwingen. Françoise Bettencourt-Meyers wirft Banier vor, die "Schwäche" ihrer Mutter auszunutzen. Kurz zuvor war die 56-Jährige mit dem Versuch gescheitert, ihre Mutter entmündigen zu lassen.

Schwäche? Nicht mehr Herrin ihrer Sinne? Diese Vorwürfe streitet die alte Dame vehement ab. Über ihre Anwälte lässt sie verbreiten, sie habe alle Geschenke freiwillig gemacht. In einem ihrer seltenen Interviews vor rund zwölf Monaten griff Bettencourt ihr Kind heftig an. "Was ist da bloß in meine Tochter gefahren? Das ist eine große Dummheit", zeterte die Superreiche. Die ganze Sache sei vollkommen idiotisch und reine Energieverschwendung. Sie kenne den Künstler Banier seit mehr als 20 Jahren, er habe ihr sehr geholfen - auch als sie ihren Mann André verloren habe. Die Journalisten des Blattes berichteten später, Bettencourt habe alles andere als greis und verwirrt gewirkt.

Zweifel am Zustand der Milliardärin gibt es jedoch immer wieder. Mitte des Jahres tauchten in den Medien Dokumente auf, in denen Zeugen von Gedächtnislücken und kognitiven Störungen berichten. Dem gegenüber steht das Gutachten eines Mediziners, der Liliane Bettencourt im Februar dieses Jahres zwei Stunden untersuchte. Er schrieb: "Ihr neurophysischer und physiologischer Zustand ist stabil und zufriedenstellend".

Die auf Fotos deutlich jünger wirkende Milliarden-Erbin kann sich das Verhalten ihrer Tochter nur mit Eifersucht oder einer tiefen Abneigung gegen den Künstler erklären. Françoise sei sehr verschlossen. Die Extrovertiertheit von Banier sei nervig für ihre Tochter, erzählte die 87-Jährige vor einem Jahr freimütig. Gerüchte, dass sie den Fotografen, Schriftsteller und Maler adoptieren könne, seien haltlos. "Als ich die Geschichte von der Adoption (...) zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, ich träume. Ich hatte niemals die Absicht, einen Sohn zu adoptieren und schon gar nicht einen, der älter als 60 ist", bekräftigte die im noblen Pariser Vorort Neuilly- sur-Seine residierende Tochter des L'Oréal-Gründers Eugène Schueller.

Unverständlich sind Bettencourt die Vorwürfe nicht zuletzt wegen der ihrer Ansicht nach eindeutig geklärten Vermögensverhältnisse. Der Tochter werde künftig alles gehören, sagt sie vor einem Jahr. Das sei klar. Banier, der mit seiner Kamera Mick Jagger, Karl Lagerfeld und Caroline von Monaco verewigte, äußerte sich vor wenigen Tagen zum ersten Mal öffentlich zum Thema: "Die Geschenke kommen von einer vollkommen klar denkenden Frau", sagte der unter anderem mit Lebensversicherungspolicen und einem Picasso-Gemälde beschenkte Künstler der Tageszeitung "Le Monde". Die Angelegenheit sei eine "traurige Sache". Sie füge einer brillanten und freien Frau viel Leid zu.

Ein friedliches Ende des Streits scheint derzeit unwahrscheinlich. Der Prozess gegen Banier soll im kommenden April beginnen. Um ihre Zukunft muss Françoise Bettencourt-Meyers aber auch im Fall einer Niederlage nicht fürchten. Das Vermögen ihrer freizügigen Mutter wurde vom US-Magazin "Forbes" zuletzt auf 13,4 Milliarden Dollar (9,1 Milliarden Euro) geschätzt. Sie ist damit nicht nur die reichste Frau Frankreichs, sondern auch die reichste Frau Europas.

DPA / DPA