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Sicherheitsposse in München: Shopping statt Terroranschlag

Viel Lärm um nichts: Der Großalarm am Münchener Flughafen hat sich als komplette Posse herausgestellt. Der angebliche Terrorist ging in aller Ruhe Einkaufen und Essen.

Der zunächst wie eine mögliche Sprengstoff- Attacke aussehende Zwischenfall am Münchner Flughafen war nach neuesten Erkenntnissen in jeder Hinsicht ein Fehlalarm. Der unbekannte Mann, der am vergangenen Mittwoch angeblich geflüchtet war, nachdem sein Computer Sprengstoffalarm ausgelöst hatte, sei gar nicht weggelaufen, teilte die Regierung von Oberbayern am Sonntag mit. Vielmehr sei er wie alle anderen Passagiere später nochmals in aller Ruhe durch die Sicherheitskontrolle gegangen.

Auch der ursprüngliche Verdacht auf Sprengstoff in seinem Laptop habe sich nicht bestätigt. Bei weiteren Kontrollen des verdächtigen Notebooks seien keine Hinweise mehr gefunden worden.

Der Geschäftsmann war wie Hunderte andere Passagiere von der Evakuierung betroffen und wurde um 21.07 Uhr erneut kontrolliert. Die Videobilder belegen nach Angaben der oberbayerischen Regierung, dass der Passagier nach dem Verlassen der ersten Kontrolle sich ohne Eile in einem Duty-Free-Shop im Sicherheitsbereich aufhielt, dann besuchte er noch das Restaurant von Feinkost Dallmayr nebenan. "Er ging brav raus, später dann wieder brav rein", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der "Süddeutschen Zeitung". So wie andere Passagiere wartete er dann bis zur Wiedereröffnung der Abfertigung.

Konsequenzen angekündigt

"Die Bänder zeigen, dass der Mann überhaupt nicht gemerkt hat, dass er ein Problem produziert hat", sagt Herrmann. Und der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, betont: "Offenbar wusste er nicht einmal, dass er selbst am Nachmittag mit seinem vorzeitigen Verlassen des Kontrollbereichs die Großaktion ausgelöst hatte." Hillenbrand kündigte an, dass der Vorfall weiter konsequent mit allen Beteiligten aufgearbeitet werde. "Jedes Detail des Ablaufs werden wir gemeinsam intensiv auf Verbesserungsmöglichkeiten prüfen."

Am Mittwochnachmittag waren Teile des Terminals II evakuiert worden, nachdem das Flughafenpersonal Alarm wegen eines mutmaßlichen Sprengstoff-Fundes geschlagen hatte. Ein Unbekannter sei von der Sicherheitskontrolle in den nicht-öffentlichen Bereich des Flughafens gelangt, nachdem an seinem Laptop Substanzen gefunden worden waren, die auf Sprengstoff deuteten, hatte die Polizei zuerst mitgeteilt.

Innenminister Hermann kündigte in der "SZ" an, Konsequenzen aus der Panne an: "Wir müssen die Entscheidungswege verkürzen", sagt Herrmann. "Das muss im Notfall schneller gehen." So dürften nicht zeitraubende Telefonate zwischen der Bundespolizei und dem Flugleiter im Tower liegen, der den Flugbetrieb stoppen kann. Zudem könne man den Ausgang der Kontrollen durch eine Glastür abschirmen. Per Notknopf könnte man diese dann, so Hermann, vor einem Verdächtigen schließen - spurlos verschwinden wäre dann wohl unmöglich.

DPA/msg/APN / DPA