HOME

Skandal in Österreich: Ex-Politikerin erhält obszöne Nachrichten, veröffentlicht sie und wird dafür bestraft

Auf Facebook bekam die ehemalige Grünen-Politikerin Sigi Maurer sexuell anzügliche Nachrichten. Doch vor Gericht wurde nicht der mutmaßliche Absender bestraft, sondern sie. 

Sigi Maurer (r.) im Rahmen der Wahlkampfauftakt-Veranstaltung der Grünen im September 2017 in Wien

Sigi Maurer (r.) im Rahmen der Wahlkampfauftakt-Veranstaltung der Grünen im September 2017 in Wien

Picture Alliance

In Österreich ist die ehemalige Grünen-Politikerin Sigi Maurer wegen übler Nachrede verurteilt worden. Das berichten österreichische Medien übereinstimmend. Sie hatte eine obszöne Nachricht, die sie auf Facebook erhalten hatte, veröffentlicht. "Du bist heute bei mir beim Geschäft vorbeigegangen und hast auf meinen Schwanz geguckt, als wolltest du ihn essen", hieß es in der Mittelung, die vom offiziellen Konto eines Craftbier-Lokals verschickt wurde. Danach sei es noch beleidigender geworden, berichtet unter anderem der "Kurier". Doch der Ladenbesitzer, den Maurer verdächtigt hatte, die Nachricht geschrieben zu haben, stritt alles ab und verklagte sie. Ein Gericht in Wien gab ihm nun Recht und sprach Maurer schuldig. 

"Ich bin überzeugt, dass der Kläger lügt", sagte der Richter in der Urteilsbegründung. "Entweder er will seine eigene Tat verdecken oder er weiß genau, wer es war und will den nicht reinreiten", zitiert ihn der "Kurier". Doch es sei nicht gelungen, nachzuweisen, dass dieser die sexuell anzüglichen Texte wirklich geschickt habe. Der Ladenbesitzer hatte behauptet, ein "älterer Herr mit schütterem Haar", der sich allein in seinem Shop aufgehalten habe, hätte die Nachrichten vom dort zugänglichen Computer verschicken können.

Sigi Maurer will in Berufung gehen 

Angesichts dieser Möglichkeit reiche die Beweislage nicht aus, um sicher zu sein, dass der Ladenbesitzer die Nachrichten selbst geschrieben hat, begründete der Richter das Urteil. "Sie sind in diesem Punkt Täter und nicht Opfer", sagte er an Maurer gerichtet. "Was ihnen angetan wurde, und dass das nicht strafbar ist, steht auf einem anderem Blatt", fügte er hinzu. Die 33-Jährige habe aber mit dem Veröffentlichen der Nachrichten "eine Grenze überschritten, die strafbar ist".

Maurer muss nun eine Geldstrafe von 3000 Euro bezahlen, dem Bierladenbesitzer 4000 Euro Entschädigung leisten und die Kosten des Verfahrens tragen. Doch die Ex-Politikerin will das noch nicht rechtskräftige Urteil anfechten. "Ich werde nicht klein beigeben, wir werden in Berufung gehen und das Geld dafür aufstellen. Es ist völlig eindeutig, dass er es gewesen sein muss."

ivi
Themen in diesem Artikel