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Gericht verliest Trauerkarte von Silvio S.: "Todesursache: Ersticken. Sorry"

Knapp einen Monat nach Elias' Tod hatte Silvio S. eine Trauerkarte an dessen Eltern geschickt - lange bevor er seine zweite Tat an Mohamed beging. Die Karte verlas das Gericht an diesem dritten Prozesstag um den mutmaßlichen Mörder.

Silvio S. mit Anwälten und Gericht im Landgericht Brandenburg in Potsdam vor Prozessbeginn.

Silvio S. hatte eine Karte an die Eltern seines ersten Opfers geschrieben, im Gericht wurde sie am dritten Prozesstag verlesen

Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. schrieb nach seiner ersten Tat eine Trauerkarte an Elias' Eltern und später aus der Untersuchungshaft einen Brief an seine eigene Familie. An diesem dritten Prozesstag wurden diese Texte des Angeklagten öffentlich verlesen. 

"Ich weiß, was ich Euch und anderen angetan habe"

Schon in der Untersuchungshaft äußerte Silvio S. Schuldbewusstsein - in einem Schreiben an seine Familie. Aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit schreibt er am 18. November einen Brief:

"Hallo Familie!

Ich vermisse Euch sehr. Ich weiß, was ich Euch und auch anderen mit meinen Taten angetan habe, würde mich über einen Besuch oder Brief sehr freuen.

Euer Euch liebender Sohn, Bruder und Onkel."

Der Brief wird von der Postkontrolle in der JVA abgefangen und dient jetzt im Prozess als Beweismittel – denn er enthält, so der Staatsanwalt Peter Petersen heute im Prozess "geständnisgleiche Angaben". Auch die Trauerkarte an die Mutter von Elias, die in den Akten zum Fall auf Blatt 37/39 bis Blatt 37/42 abgelegt ist, gilt nun als Beweismittel. Denn sie offenbart "Täterwissen", wie die Juristen sagen – also Kenntnisse, die zum damaligen Zeitpunkt nur der Mörder gehabt haben kann.

An diesem dritten Prozesstag wurde auch die Trauerkarte vor Gericht verlesen, die Silvio S. an die Eltern des kleinen Elias geschrieben hatte

"Todesursache: Ersticken. Sorry."

Am 4. August 2015 findet ein Bestattungsunternehmer in Brandenburg an der Havel einen Umschlag mit dem Vermerk "unzustellbar" in seinem Briefkasten. Adressiert ist das Poststück an die Mutter des seit Wochen vermissten Elias (6) aus Potsdam. Die Anschrift ist korrekt, nicht jedoch der Name: "Anita S." steht handschriftlich auf dem Umschlag, der vollständige Nachname fehlt. Weil als Absender das Brandenburger Bestattungsinstitut angegeben ist, landet der Brief dort.

Bestattungsunternehmer Andreas D. öffnet den Umschlag und hält eine Trauerkarte in den Händen, darauf in ungelenker Handschrift folgender Text:

"In tiefer Trauer um den verstorbenen Elias.
Todeszeitraum in der Nacht vom 11. 7. auf den 12. 7., zwischen 22 und 6 Uhr.
Todesursache: Ersticken.

Sorry."

"Sorry" für den Mord an einem Kind: Der Chef des Bestattungsunternehmens leitet den Brief an die Polizei weiter. Ein graphologischer Handschriftenvergleich und eine Untersuchung von DNA-Anhaftungen, die als "Spur 139 G", weiterverfolgt werden, ergeben später: Silvio S. hat den Brief mit der Trauerkarte an die Mutter aufgegeben, mit Poststempel vom 19. Juli – also zu einem Zeitpunkt, als Polizei und hunderte freiwillige Helfer noch überall fieberhaft nach ihrem elf Tage zuvor spurlos verschwundenen Sohn suchten.

Elias ist zu diesem Zeitpunkt vermutlich längst tot, Silvio S. aber als Täter noch unentdeckt. Nach bisherigen Ermittlungen begeht er wenige Wochen später, am 2. Oktober 2015, seinen zweiten Mord: Er erdrosselt den kleinen Mohamed (4) aus Bosnien, den er tags zuvor im Flüchtlingschaos vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) mit einem großen Teddy von seiner Mutter weggelockt und anschließend schwer sexuell missbraucht haben soll.

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