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Skandal: Pornos bei der Polizei

Bei 345 thüringischen Polizeibeamten flackerten auf den Computerbildschirmen anscheinend nicht nur Täterfotos. Der Skandal reiht sich ein in eine Folge von Pannen und Affären.

Ruhe und Ordnung - dafür soll die Polizei sorgen. In Thüringen geraten die Beamten zunehmend selbst ins Visier von Ermittlungen. Pornobilder sollen auf zahlreichen Polizei- Bildschirmen die Runde gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen 345 Beamte. Der Fall hat sich erheblich ausgeweitet. Im Herbst war zunächst von sechs Polizisten die Rede, die im Netz nicht nur Dienstliches, sondern auch Pikantes weitergeleitet haben sollen. Die Ermittler waren einer anonymen Anzeige nachgegangen. Die angeblichen Pornos sind nur vorläufiger Höhepunkt einer ganzen Reihe von Pannen und Affären.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fürchtet um das Ansehen des Berufsstandes. "Wir sind daran interessiert, dass schnellstmöglich aufgeklärt wird", betont GdP-Landesvorsitzender Jürgen Schlutter. Doch er sagt auch: "Hier arbeiten auch nur Menschen. Da kann immer etwas passieren, was sehr bedauerlich ist." Er könne sich aber nicht vorstellen, dass so viele Polizisten darin verstrickt sein sollen. Die Landtagsopposition fordert einen Bericht von Innenminister Karl Heinz Gasser (CDU). "Die Thüringer Polizei muss aufpassen, dass sie nicht das Blaulicht mit dem Rotlicht vertauscht", sagte SPD- Innenpolitiker Heiko Gentzel.

Enge Kontakte zur Rotlicht-Szene

Seit mehr als zwei Jahren sorgt die "Rotlicht-Affäre" für Schlagzeilen im Freistaat, der insgesamt rund 6400 Polizisten hat. Drei Beamte stehen im Visier der Ermittlungsbehörden. Im Januar 2002 war bekannt geworden, dass der Hauptverdächtige, ein Ex-Mitarbeiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, enge Kontakte zur Rotlicht- Szene in Gera haben soll. Er wurde am Landgericht Erfurt angeklagt und soll unter anderem Dienstgeheimnisse verraten haben.

Im Oktober war ein höherrangiger Polizist zu einer Geldstrafe von 8400 Euro verurteilt worden. Er soll mit Schließung eines Etablissements gedroht haben, falls die Damen in einem Prozess über Bordellbesuche von Polizisten aussagen. Der Beamte hat den Vorwurf bestritten und Berufung eingelegt. Seit Mittwoch sitzt ein weiterer Polizist auf der Anklagebank.

Thüringer Polizei: Skandale am laufenden Band

In Hamburg und Schleswig-Holstein ist die Thüringer Polizei aus anderen Gründen bekannt: Drei Erfurter Bereitschaftspolizisten hatten im November 2002 während einer Demonstration zwei Kollegen in Zivil aus Schleswig-Holstein verprügelt. Ein 24-Jähriger war zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden, seine zwei Kollegen zu zehn Monaten auf Bewährung. Der Chef der Thüringer Bereitschaftspolizei soll in dem Prozess in Hamburg nicht die Wahrheit gesagt haben und erhielt einen Strafbefehl.

Schon vor gut fünf Jahren sorgte ein tödlicher Schuss von Polizisten in dem kleinen Ort Heldrungen bundesweit für Aufsehen. Auf der Suche nach dem Mörder Dieter Zurwehme hatten zwei Polizisten auf einen 62 Jahre alten Hotelgast aus Köln geschossen. Eine Hotelangestellte hatte den Wanderer in einer Fahndungssendung für Zurwehme gehalten und die Polizei alarmiert. Drei Jahre später: Ein Beamter schießt in Nordhausen auf einen betrunkenen Automatenknacker, der sich der Festnahme widersetzen wollte und mit Pflastersteinen warf. Der Polizist wurde wegen Notwehr freigesprochen.

Antje Lauschner und Marc-Oliver von Riegen, DPA