Skiunfall Althaus droht Anklage


Eine Anklage gegen Dieter Althaus wegen fahrlässiger Tötung wird immer wahrscheinlicher: Nach Medienberichten gehen die Sachverständigen von einer Mitschuld des Thüringer Ministerpräsidenten aus. Unterdessen hat der Anwalt des Opfers eine Schadensersatzklage angekündigt.

Eine Anklage gegen Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus wegen fahrlässiger Tötung wird immer wahrscheinlicher. Der österreichische Staatsanwalt Walter Plöbst erklärte im Magazin "Der Spiegel", dass es nach Landesrecht bei einem tödlichen Unfall in jedem Fall zum Gerichtsprozess kommt, sobald von einen Teilschuld des Überlebenden auszugehen ist. Es gebe in solchen Fällen keine Möglichkeit, das Verfahren einzustellen. Dann müsste sich Althaus dem Bericht zufolge vor dem österreichischen Bezirksgericht Irdning wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten.

Sachverständige und Anwälte beider Parteien haben den Unfallort mittlerweile begutachtet. Laut "Spiegel" gehen die Sachverständigen davon aus, dass Althaus entgegen der Fahrtrichtung links abgebogen, leicht bergauf gefahren und frontal mit der Frau zusammengestoßen sei. Den bisherigen Ermittlungen zufolge sei der Politiker etwa 40 Stundenkilometer schnell gefahren, die getötete Frau dagegen langsamer. Die beiden Skifahrer trafen demnach fast frontal aufeinander und wurden einige Meter durch die Luft geschleudert. Das ergebe sich zwangsläufig aus dem Unfallgeschehen. Der Althaus-Anwalt in Österreich, Walter Kreissl, räumte im "Spiegel" ein, dass der Ministerpräsident "nach Lage der Dinge ein Stück bergauf" gefahren sei. Er weist aber darauf hin, dass ein Unfall sich jederzeit auf Skipisten ereignen könne. Althaus habe sich weder "rücksichtslos, ungewöhnlich, noch auffällig" verhalten.

Opfer-Anwalt kündigt Schadensersatzforderung an

Nach dem tödlichen Skiunfall fordert der Ehemann des Opfers von Althaus Schadenersatz. Das kündigte der Salzburger Anwalt der Hinterbliebenen, Alexander Rehrl, am Samstag in mehreren Medien an. "Nach den bisherigen Ermittlungen fuhr der Ministerpräsident von einer steileren Piste bergauf in einen flacheren, langsameren Skihang. Der Ministerpräsident hätte so fahren müssen, dass er niemanden gefährdet. Das war anscheinend nicht der Fall. Deshalb wollen wir Schadenersatz fordern", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Zur Höhe der Forderung äußerte er sich nicht. "Ein Leben ist nicht bezahlbar", sagte Rehrl. Sollte es zu keiner außergerichtlichen Einigung kommen, werde er eine Zivilklage anstreben.

Die Schuldfrage kann aber erst abschließend beantwortet werden, wenn sie durch Expertengutachten geklärt ist. "Die Gutachten von zwei Sachverständigen liegen noch nicht vor", sagte Plöbst im "Focus". Der Unfallhergang soll mit den Sachverständigen auf der Skipiste rekonstruiert werden. "Voraussichtlich in etwa vier Wochen werden die Ermittlungen abgeschlossen sein, und dann entscheiden wir." Vor allem solle der Frage nachgegangen werden, wo genau sich Althaus' Leibwächter befand und warum er den CDU-Politiker nicht sehen konnte, obwohl die Skipiste von oben gut einsehbar ist.

Althaus wird inzwischen in Jena behandelt

Althaus, der bei dem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, war am Freitag von Österreich in die Uniklinik Jena verlegt worden. Nach Auskunft der Ärzte befindet er sich auf dem Weg der Besserung. Er selbst kann sich nach Auskunft des Staatsanwalts "überhaupt an nichts erinnern". Der Politiker war am Neujahrstag bei der Abfahrt von der Riesneralm mit der 41-jährigen Beata C. zusammengestoßen. Die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus, Althaus erlitt ein Schädel-Hirn- Trauma.

Der Skiunfall von Althaus und die Folgen waren auch Thema im CDU- Bundesvorstand in Erfurt. Vize-Ministerpräsidentin Birgit Diezel berichtete über den aktuellen Gesundheitszustand und ging auch auf die Beerdigung von Beata C. ein. Dabei ging es nach Teilnehmerangaben aber nicht um einen möglichen "Plan B" bei der Frage der CDU- Spitzenkandidatur in Thüringen, obwohl auch erwähnt wurde, dass offen sei, wann der Regierungschef vollständig genesen ist.

AP/DPA AP DPA

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