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Moderne Sklaverei Brite gibt Ausbeutung eines Mannes zu, der 40 Jahre lang in einem Schuppen leben musste

Peter S. am Montag beim Verlassen des Gerichts in Carlisle. Er soll einen Mann als Sklaven gehalten haben
Peter S. am Montag beim Verlassen des Gerichts in Carlisle. Er soll einen Mann als Sklaven gehalten haben
© Owen Humphreys / Picture Alliance
In England ist ein Mann 40 Jahre lang wie ein Sklave gehalten worden. Das Opfer lebte unter unmenschlichen Bedingungen und arbeitete für zwölf Euro am Tag. Jetzt hat sein Ausbeuter gestanden.

Ein 56-Jähriger im Nordwesten Englands hat sich am Dienstag schuldig bekannt, einen Mann ausgebeutet zu haben, der 40 Jahre lang in einem Gartenschuppen als Sklave lebte. Das Opfer war bereits im Oktober 2018 gerettet worden, als Beamte der Gangmasters and Labour Abuse Authority (GLAA), die sich für den Schutz gefährdeter und ausgebeuteter Arbeiter einsetzt, einen Wohnwagenpark in der Stadt Carlisle durchsuchten. Dabei entdeckten sie den Mann in seiner menschenunwürdigen Behausung, die in einem schlechteren Zustand war, als eine Hundehütte auf demselben Grundstück.

"Unsere Abteilung für moderne Sklaverei und Menschenhandel arbeitete mit @UK_Glaa und @Cumbriapolice zusammen, um ein Opfer der Sklaverei zu retten, das gezwungen war, 40 Jahre lang in einem Schuppen zu leben", teilte die National Crime Agency (NCA) am Dienstag auf Twitter mit. "Heute wurde der Mann, der ihn ausgebeutet hat, überführt."

Peter S. und sein ebenfalls angeklagter Vater hatten den Vorwurf der Verschwörung zur Ausbeutung eines gefährdeten Opfers zunächst bestritten. Der Vater, der ebenfalls Peter S. hieß, starb im September im Alter von 81 Jahren. Sein Sohn änderte seine Aussage nun vor dem Carlisle Crown Court. Er wurde gegen Kaution freigelassen und muss am 4. Februar vor demselben Gericht zur Urteilsverkündung erscheinen.

Das Opfer, dass mittlerweile Anfang 60 ist, hatte bei seiner Entdeckung zerzaust und aufgeregt gewirkt und erzählt, dass es 40 Jahre in der Behausung gelebt habe, berichtete die GLAA. Es habe nach eigener Aussage auf Bauernhöfen gearbeitet und Maler-, Dachdecker- und Pflasterarbeiten verrichtet und dafür umgerechnet zwölf Euro pro Tag erhalten. 

"Vier Jahrzehnte lang wurde er wie ein Sklave gehalten"

Der sechs Quadratmeter große Schuppen sei in einem schlechten Zustand gewesen. Es habe nur ein Fenster gegeben, das nicht vollständig geschlossen werden konnte. Eine alte elektrische Heizung mit beschädigter Verkabelung sei in der Ecke des Schuppens entsorgt worden, und es habe keine andere Heizung im Inneren gegeben. Ansonsten hätten sich noch schmutzige Bettdecken und Kissen, ein kleiner Fernseher und ein Stuhl darin befunden. Im Gegensatz dazu hätten die Beamten festgestellt, dass ein anderer Schuppen auf dem Gelände, der dem Familienhund zum Schlafen diente, in einem weitaus besseren Zustand gewesen sei.

"Das ist etwas, das ich selbst jetzt noch nicht begreifen kann", sagte der leitende Ermittlungsbeamte Martin Plimmer. "Vier Jahrzehnte lang wurde er wie ein Sklave gehalten." Es sei "eine wirklich erschütternde Untersuchung" gewesen, berichtete Plimmer. "In all meinen Jahren in der Strafverfolgung habe ich noch nie einen Fall moderner Sklaverei gekannt, bei dem die Ausbeutung über einen so langen Zeitraum stattgefunden hat." In erster Linie denke er zu diesem Zeitpunkt jedoch an das Opfer. "Erinnern wir uns, dass er bis vor wenigen Jahren sein ganzes Erwachsenenleben lang ausgebeutet wurde."

Die zuständige Staatsanwältin Barbara Webster schilderte, wie das Opfer heute lebt: Der Mann habe eine Unterkunft, mit der er extrem zufrieden sei, berichtete Webster nach Angaben der BBC. Zudem werde er regelmäßig von einem Betreuer besucht, der prüfe, wie es ihm geht. "Man wird sich bis an sein Lebensende um ihn kümmern."

Quellen: Gangmasters and Labour Abuse AuthorityNational Crime Agency auf Twitter, BBC, Sky News

mad

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