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Geheimdienst hinter Anschlag?: Drei Tage im März: So reisten die mutmaßlichen Skripal-Attentäter durch England

Am 2. März fliegen zwei Männer aus Moskau nach London. Doch statt Big Ben zu besichtigen, unternehmen sie zwei kurze Abstecher nach Salisbury. Wozu? Um die Skripals zu ermorden, sind sich die britischen Geheimdienste sicher. Eine Rekonstruktion.  

Am 4. März wurden der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia Opfer eines Attentats. Schnell stand fest: Sie wurden mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet. Ebenso schnell machte die britische Premierministerin Theresa May einen Verantwortlichen aus: Russland. Schlüssige Beweise blieb London jedoch lange schuldig. Ein halbes Jahr nach dem Nervengiftanschlag legten die britischen Geheimdienstler aber nun einen minutiösen Bericht vor, der die Spur der mutmaßlichen Attentäter von Moskau nach Salisbury und wieder zurück überzeugend nachzeichnet.

Für die Rekonstruktion der Geschehnisse werteten die Ermittler 11.000 Stunden an Videoaufnahmen aus Überwachungskameras aus, die in Großbritannien quasi allgegenwärtig sind. 50 Stunden hielten sich demnach die beiden Verdächtigen im Land auf. 50 Stunden lang wurden sie von den tausenden Kameras im Land auf Schritt und Tritt verfolgt.

Und so spielte sich das Skripal-Attentat nach Darstellung der britischen Anti-Terror-Einheit ab:

Freitag, 2. März 

Um 15 Uhr Ortszeit landet am Flughafen London-Gatwick eine Maschine der russischen Fluglinie Aeroflot, Flugnummer SU2588. Unter den zahlreichen Passagieren aus Moskau befinden sich auch zwei Männer, die als Alexander Petrow und Ruslan Boschirow nach Großbritannien einreisen.

Ihre Identitäten sind gefälscht, vermuten die britischen Geheimdienstler. In ihrem Gepäck transportieren die beiden ein Fläschchen, das dem Parfüm "Premier Jour" von Nina Ricci nachempfunden ist. Doch in dem kleinen Flakon lauert der Tod: Statt eines Duftwässerchens enthält es Nowitsckok. 

Bis zu dem Anschlag auf die Skripals bleiben zwei Tage.

Nach ihrer Ankunft in London nehmen Petrow und Boschirow den Zug in die Innenstadt, steigen im Zwei-Sterne-Hotel City Stay in der Bow Road im Osten Londons ab. Die Nacht verbringen sie hier. Später findet man in dem Hotel Spuren von Nowitschok.

Samstag, 3. März

Am Samstagvormittag verlassen Petrow und Boschirow das unscheinbare Hotel und steigen in die U-Bahn ein. Um 11.45 Uhr erreichen sie Waterloo-Bahnhof, nehmen den Zug nach Salisbury. Am frühen Nachmittag erreichen sie das südenglische Städtchen. Um 14.25 Uhr werden sie von den Überwachungskameras am Bahnhof der Kleinstadt gefilmt.

Nicht mal zwei Sunden später machen sich die beiden Männer auf den Rückweg nach London. Kurz nach 16 Uhr nehmen sie wieder den Zug und kehren in die britische Hauptstadt zurück. Wieder geraten sie in das Sichtfeld der Überwachungskameras.

Um 20.05 Uhr kommen die beiden Männer wieder in ihrem Hotel an. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei diesem Salisbury-Besuch um eine Erkundungstour handelt.

Ein Bild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen am Bahnhof von Salisbury am 3. März 2018 um 16:11 Uhr

Ein Bild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen am Bahnhof von Salisbury am 3. März 2018 um 16:11 Uhr

Picture Alliance

Sonntag, 4. März

Am frühen Morgen verlassen Petrow und Boschirow das City Star Hotel. Um 8.05 Uhr machen sie sich auf den Weg, fahren erneut zum Bahnhof Waterloo und von da aus wieder nach Salisbury. 

Um 11.58 Uhr werden sie in der Wilton Road in der Nähe einer Schell-Tankstelle gefilmt - bis zum Haus der Skripals in der Christie Miller Road sind es nur acht Gehminuten. 

Um 11.58 Uhr werden Alexander Petrow und Ruslan Boschirow am 4. März von einer Überwachungskamera in der Wilton Road gefilmt

Um 11.58 Uhr werden Alexander Petrow und Ruslan Boschirow am 4. März von einer Überwachungskamera in der Wilton Road gefilmt

Picture Alliance

Um 13.05 befinden sich Petrow und Boschirow wieder auf dem Rückweg zum Bahnhof. Die Verdächtigen werden in der Fisherton Street mehrmals gefilmt. 

Was in den 18 Minuten zwischen diesen Aufnahmen geschieht, hält jedoch keine Kamera fest. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass die beiden in dieser Zeit das Gift aus der präparierten Parfum-Flasche auf der Klinke der Eingangstür der Skripals verteilen. 

Um 13.50 Uhr steigen die beiden Männer wieder in einen Zug Richtung London. 

Die Verdächtigen am Bahnhof von Salisbury. Um 13.50 Uhr steigen sie in einen Zug. 

Die Verdächtigen am Bahnhof von Salisbury. Um 13.50 Uhr steigen sie in einen Zug. 

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Um 16.15 Uhr geht bei der Polizei in Salisbury der Anruf eines besorgten Passanten ein, der Skripal und seine Tochter bewusstlos auf einer Parkbank gefunden hat.

Eine halbe Stunde später, um 16.45 Uhr, treffen Petrow und Boschirow am Bahnhof Waterloo ein. Sie kehren nicht zurück zum Hotel, sondern fahren um 18.30 mit der U-Bahn zum Flughafen Heathrow. Dort passieren sie um 19.28 Uhr die Sicherheitskontrollen. Um 22.30 Uhr heben sie mit der Aeroflot-Maschine mit der Flugnummer SU2585 Richtung Moskau ab.

Einer der Verdächtigen passiert um 19.28 Uhr die Sicherheitskontrollen am Flughafen Heathrow 

Einer der Verdächtigen passiert um 19.28 Uhr die Sicherheitskontrollen am Flughafen Heathrow 

Picture Alliance

Russland streitet weiter jede Verwicklung in den Skripal-Fall ab 

Die britische Premierministerin ist überzeigt, dass Petrow und Boschirow dem russischen Militärgeheimdienstes GRU angehören. "Das war keine nichtautorisierte Operation. Sie war so gut wie sicher außerhalb des GRU von höherer Stelle im russischen Staat abgesegnet", sagte die Regierungschefin im Parlament in London."Wir haben jetzt ausreichend Beweise, um Anklagen im Zusammenhang mit dem Angriff auf Sergej und Julia Skripal zu erheben", sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Polizei, Neil Basu. Die Verdächtigen seien etwa 40 Jahre alt. Scotland Yard bat die Bevölkerung um Hinweise. 

Deutschland, Frankreich, Kanada und die USA haben sich hinter die jüngsten Erkenntnisse der britischen Ermittler gestellt. In einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs der vier Staaten sowie Großbritanniens hieß es, sie hätten "volles Vertrauen in die britische Einschätzung", dass die beiden Tatverdächtigen Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes waren und "dass diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde"

Das russische Außenministerium wies alle Vorwürfe umgehend zurück. "Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa der Agentur Tass zufolge in Moskau. London solle nicht die Öffentlichkeit manipulieren, sondern bei der Aufklärung mit Russland kooperieren.

Dieses gestellte Archivbild zeigt einen sowjetischen Soldaten in einem Schutzanzug, der mit giftigen Substanzen arbeitet.
mit Agenturen
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.