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Somalia: Piraten kapern deutschen Tanker

Somalische Piraten haben einen deutschen Gastanker geentert, dabei soll es einen heftigen Schusswechsel gegeben haben. Nach Angaben der Reederei entführten die Seeräuber die "MV Longchamp" im Golf von Aden - obwohl das Schiff in einem international geschützten Konvoi fuhr.

Somalische Piraten haben am Donnerstag im Golf von Aden den deutschen Tanker "Longchamp" in ihre Gewalt gebracht. Das bestätigten ein Mitarbeiter der Reederei in Nairobi sowie ein Sprecher des Hamburger Schiffsfinanzierers MPC, der an dem Schiff beteiligt ist. Die Piraten konnten das rund 3500 Tonnen große Schiff um 2.30 Uhr in der Nacht zum Donnerstag kapern, obgleich es in einem internationalen geschützten Konvoi fuhr.

Nach Darstellung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr setzte der Frachter in der Nacht noch einen Hilferuf ab. Als eine indische Fregatte daraufhin zu Hilfe kam, sei es allerdings schon zu spät gewesen. "Es gab einen heftigen Schusswechsel", sagte Andrew Mwangura, Leiter der kenianischen Sektion der Organisation Seafarers Assistance Programme im kenianischen Nairobi.

Besatzung angeblich unverletzt

Derzeit besteht kein Kontakt zu dem Tanker. Dem Kapitän sei nur kurzzeitig erlaubt worden, den Schiffsmanager zu kontaktieren und zu sagen, dass alle Crew-Mitglieder unverletzt und in Sicherheit seien, hieß es. Die Piraten hätten noch keine Forderungen gestellt.

Der rund 100 Meter lange und 16 Meter breite Gastanker war unterwegs von Europa nach Asien. Es habe den Suez-Kanal durchquert und eigens einen Tag gewartet, um sich dem Konvoi anzuschließen, sagte der Sprecher. Der 1990 gebaute Tanker transportiert Flüssiggas. Er gehört der Gesellschaft MPC Steamship, wird aber von der Hamburger Reederei Bernhard Schulte bereedert. Gechartert hatte die "Longchamp" eine Reederei aus dem liberianischen Monrovia. Das Schiff fährt allerdings unter der Flagge der Bahamas.

Die Piraten hätten die Besatzung - einen indonesischen Kapitän und zwölf philippinische Seemänner - mittlerweile gezwungen, aus dem Konvoi auszuscheiden und Kurs auf Somalia zu nehmen, sagte der MPC-Sprecher. Er rechne mit einer Lösegeldforderung. Das Schiff sei versichert gegen die Folgen von Krieg, Terrorismus und Piraterie.

Die Überfälle auf Schiffe sind inzwischen das einträglichste Geschäft in Somalia, das seit Jahrzehnten keine stabile Regierung mehr hat und völlig verarmt ist. Vor der somalischen Küste sind in diesem Jahr bereits drei Schiffe von Piraten gekapert worden, die derzeit in der Region insgesamt 16 Schiffe besetzt halten. Im vergangenen Jahr haben Piraten vor der Küste Somalias mehr als 40 Schiffe entführt und geschätzte 30 Millionen Dollar an Lösegeld erpresst.

Im Kampf gegen die Seeräuber sind zur Zeit vier Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge von EU-Ländern in dem 500 Seemeilen umfassenden Gebiet vor Afrika im Einsatz. Sie sollen vor allem Containerschiffe und Tanker vor Angriffen im Golf von Aden schützen. Die internationale Schifffahrt kann das Gebiet kaum meiden. Der Golf von Aden verbindet Asien über das Rote Meer und den Suez Kanal mit dem Mittelmeer und ist damit eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt.

AP/DPA/AFP/AFP / AP / DPA