HOME

Polizei sicher: Sie dachte, sie stiege zu ihrem Uber-Fahrer – doch es war das Auto ihres Mörders

Nach einem Abend in einer Bar stieg Samantha Josephson zu einem Uber-Fahrer ins Auto. Dachte die Studentin. Stattdessen handelte es sich um einen Irrtum mit fatalen Folgen.

Uber-Irrtum: Nathanial R., Fahndungsaufrufe der Polizei Columbia

Die Polizei von Columbia bat die Bevölkerung über die sozialen Medien um Mithilfe bei der Suche nach Samantha Josephson. Sie stieg vermutlich bei Nathaniel R. ins Auto, anstatt in ihr bestelltes Uber-Taxi

Für Samantha Josephson sollte es nur eine Tour nach Hause werden – sie kam niemals an. Zusammen mit Freunden war die 21-jährige Politikstudentin am vergangenen Donnerstag in der "Bird Dog Bar" unterwegs, im Zentrum von Columbia, der Hauptstadt des US-Bundesstaates South Carolina. 

Gegen zwei Uhr morgens bestellte sie sich via Uber eine Fahrt nach Hause und verließ die Bar, schließlich musste Josephson am nächsten morgen zur Frühschicht in einem Burger-Restaurant antreten, wo sie sich ein wenig Geld zum Studium dazuverdient. Um 2.09 Uhr, so zeigen es die Aufnahmen einer Überwachungskamera, fuhr ein schwarzer Chevrolet Impala an der Bar vor. Die Studentin stieg ein.

Vergbliches Warten auf Samantha Josephson

Ihre Kolleginnen im "Liberty Tap Room" warteten am folgenden Morgen vergebens auf sie. Genauso, wie auch Josephsons Mitbewohner in einem Apartmentkomplex in der Innenstadt von Columbia vergeblich auf die 21-Jährige warteten, so berichten es unter anderem die "Washington Post" und CNN.

Voller Sorgen informierten sie demnach am Freitag um 13.30 Uhr die Polizei. Dort nahmen die Beamten das Verschwinden der Studentin ernst. Sie versuchten, den Verlauf der Donnerstagnacht zu rekonstruieren und veröffentlichten ein Foto der Vermissten. Sie beschrieben, was sie bei ihrem Verschwinden trug: schwarze Jeans, orangefarbenes Oberteil, leichte Schuhe.

Während die Beamten ermittelten, streiften zwei Truthahnjäger durch ein Waldgebiet auf dem Land, rund 70 Kilometer von Columbia entfernt. Etwas abseits eines Feldweges entdeckten sie: die Leiche einer Frau. Schwarze Jeans, orangefarbenes Oberteil, leichte Schuhe. Die Leiche von Samantha Josephson.

Aus dem Vermisstenfall wurde ein Mordfall. Die heißeste Spur: ein schwarzer Chevrolet Impala. Das Uber-Auto von Samantha Josephson? 

Hielt Studentin den Chevrolet für ihr Uber-Taxi?

24 Stunden nach dem Verschwinden entdeckte ein Polizeibeamter auf seiner Streifenfahrt einen solchen Wagen, nur wenige Autominuten von der "Bird Dog Bar" entfernt. Als der Polizist ihn aufforderte, aus dem Wagen auszusteigen, öffnete der Fahrer die Tür und rannte davon. Wenig später konnte der 24-jährige Nathaniel R. festgenommen werden.

Die Beamten waren sich sicher, dass ihnen der Mörder von Samantha Josephson in die Fänge gegangen ist, die Indizien ließen wenig Raum für Zweifel: In dem Auto fanden die Ermittler Blutspuren der Studentin, ihr Handy, keimtötende Tücher, Reinigungs- und Bleichmittel. Die Kindersicherung für die Türen im Fond war eingeschaltet. Wie die 21-Jährige zu Tode gekommen ist, hat die Polizei nicht bekanntgegeben. "Unsere Ermittler haben noch viel zu tun", sagte der Polizeichef von Columbia, Skip Holbrook.

Doch die Beamten glauben bereits jetzt zu wissen, dass Samantha Josephson sich geirrt hat: Der schwarze Chevrolet-Impala war nicht das bestellte Uber-Fahrzeug. Sie stieg um kurz nach zwei Uhr in den Wagen ihres mutmaßlichen Mörders Nathaniel R., der wohl zufällig zu dem Zeitpunkt vor der "Bird Dog Bar" im Zentrum von Columbia anhielt. Ein tödlicher Irrtum.

Das US-Fahrdienst-Unternehmen Uber empfiehlt in seinen Sicherheitstipps grundsätzlich, sich vor Fahrtantritt immer davon zu überzeugen, dass das Kennzeichen des Autos, das Bild des Fahrers und der tatsächliche Name des Fahrers mit den in der App hinterlegten Daten übereinstimmen.

Vater mit emotionalen Abschiedsworten

Gleiches empfiehlt auch die University of South Carolina. In einem offenen Brief forderte sie ihre Studenten auf, im Nachtleben aufeinander achtzugeben. "Zeiten wie diese lassen mich nach Worten der Weisheit und der Trauer suchen", schrieb der Präsident der Hochschule. "Wir wollen jene, die durch die Tat verletzt wurden, in die Arme schließen."

Betroffenheit herrscht nach dem Mord an der Studentin auch bei der Polizei. Kurz bevor ihr Chef Holbrook auf einer Pressekonferenz Journalisten über die Festnahme des Verdächtigen informiert, habe er mit der Familie der Getöteten gesprochen. "Unser Herz ist gebrochen", sagte er tief bewegt. "Es gibt nichts Schwierigeres, also vor einer Familie zu stehen und ihr zu erklären, dass ein geliebter Mensch ermordet wurde." 

Der Vater der Toten schrieb in einem Facebook-Post: "Ich poste dies mit enormer Traurigkeit und einem gebrochenen Herzen. Ich werde meine Kleine den Rest meines Lebens vermissen und lieben. Samantha ist nicht mehr bei uns, aber sie wird niemals vergessen werden. Es ist extrem schwer, dies zu schreiben, aber ich liebe sie von ganzem Herzen. Es bringt mich um. Ich sitze hier und weine, während ich ein Bild von ihr anschaue."

Die Beerdigung findet am Mittwoch statt. Über eine Spendenseite wurden bis zum Montagmittag bereits fast 50.000 US-Dollar (knapp 45.000 Euro) gesammelt, um die Familie der Getöteten zu unterstützen.

Bestialischer Mord : Mann vergewaltigt und tötet Studentin - ihrer Freundin lässt das Grauen keine Ruhe

Quellen: CNN, "Washington Post", Columbia Police Department bei Twitter, University of South CarolinaUber, Gofundme

wue