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Spektakuläre Flucht: Drei Häftlinge türmen mit entführtem Hubschrauber

Ausbruch wie nach einem Drehbuch: Ein Pärchen bucht einen Helikopter, um einen Rundflug zu machen und zwingt dann den Piloten, in einem Gefängnis-Innenhof im belgischen Brügge zu landen. Drei Schwerkriminelle steigen ein. Die Flucht geht abenteuerlich weiter.

Mit Hilfe eines Hubschraubers sind drei Häftlinge aus einem Gefängnis im belgischen Brügge geflüchtet. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Demnach wurde der Pilot des Helikopters zuvor von einem Paar als Geisel genommen. Die beiden gaben sich als Touristen aus, die einen Rundflug gebucht hatten. Der Pilot wurde gezwungen, im Gefängnishof zu landen. Dort stiegen einer der gefährlichsten Kriminellen Belgiens und zwei weitere Gefangene in den Hubschrauber.

Wenig Dank zollten die Gangster einem ihrer Helfer: Ein Komplize wurde den Angaben zufolge im Gefängnishof zurückgelassen - die Behörden vermuten, dass für ihn kein Platz mehr im Hubschrauber war. Der Mann hat gegenüber den Behörden zugegeben, an der Befreiungsaktion beteiligt gewesen zu sein.

Gangster nehmen Autofahrerin als Geisel

Der Helikopter wurde am Donnerstagabend im belgischen Aalter entdeckt, das westlich von Brügge und rund 200 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze bei Aachen liegt. Den Angaben zufolge blieb der Pilot unverletzt. Nach der Landung bei Aalter sollen die Gangster laut Medienberichten ein Auto angehalten und die Fahrerin als Geisel genommen haben. Danach sollen sie eine Tankstelle überfallen haben. Die Frau wurde südöstlich von Gent wieder freigelassen. Auch sie blieb unverletzt. Es wird vermutet, dass die Flüchtigen mit einem schwarzen Mercedes in Richtung belgische Küste unterwegs sind.

Der wohl gefährlichste unter den Ausbrechern ist Ashraf Sekkaki - er soll zuvor schon einmal aus einem belgischen Gefängnis geflohen sein. Ein weiterer Ausbruchversuch wurde vereitelt. Sekkaki plante mit einem Komplizen, während einer Verhandlung eine Handgranate im Gerichtssaal zu zünden und so zu entkommen. Auf sein Konto gehen nach den Berichten zahlreiche Gewalttaten, darunter Entführungen und Banküberfälle. Seit mehr als zehn Jahren soll er im Gefängnis sitzen. Mehrfach bedrohte er Gefängniswärter. Im Jahr 2008 machte er auf sich aufmerksam, als er die Zustände im Gefängnis von Brügge mit denen im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantànamo verglich.

Vor zwei Jahren sorgte ein ähnlicher Fall in Belgien für Schlagzeilen. "Ausbrecherkönig" Nordir Benallal floh ebenfalls mit einem Helikopter aus einem Gefängnis. Handlanger von ihm hatten einen Hubschrauber gekapert und waren damit auf dem Gefängnishof gelandet, um Benallal an Bord zu nehmen. Der Helikopter kam jedoch nicht wieder richtig in die Luft, weil sich andere Gefangene an die Kufen hängten. In dem Durcheinander bekam Benallal von einem Helfer eine Waffe und konnte durch eine geöffnete Tür ins Freie gelangen. Er floh in die Niederlande. Dort überfiel Benallal einen Motorradhändler und wurde noch am Tatort von der Polizei festgenommen.

DPA

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