Spektakulärer Kunstdiebstahl in Zürich Weiterer Coup der Bilderräuber


Vom Bilderraub in Zürich sind neue Details bekannt geworden: Die Täter drangen mit einer Waffe in das Museum, bedrohten die Angestellten und erbeuteten vier impressionistische Gemälde im Wert von mehr als 100 Millionen Euro. Erst in der vergangenen Woche hatte ein Kunstraub in der Schweiz für Aufsehen gesorgt.

Im spektakulären Kunstraub in der Schweiz hat die Polizei eine hohe Belohnung auf die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Wie die Polizei in Zürich mitteilte, sind unter den bereits am Sonntagnachmittag aus der Sammlung E. G. Bührle geraubten Bilder von Paul Cézanne, Edgar Degas, Claude Monet und Vincent van Gogh. Bei den vier gestohlenen Gemälden handelt es sich nach Polizeiangaben um "Der Knabe mit der roten Weste" von Paul Cézanne, "Blühende Kastanienzweige" von Vincent van Gogh, "Mohnfeld bei Vetheuil" von Claude Monet und "Ludovic Lepic und seine Töchter" von Edgar Degas. Für Hinweise, die zur Wiederbeschaffung der geraubten Gemälde führen, wurde eine Belohnung von 100.000 Franken ausgesetzt.

Die erbeuteten Gemälde haben einen Gesamtwert von rund 180 Millionen Franken (112 Millionen Euro). Der Versicherungswert des Bildes "Der Knabe mit der roten Weste" beträgt allein 100 Millionen Franken (62 Millionen Euro), wie Museumsdirektor Lukas Gloor dem Sender "TeleZüri" sagte. Beim Bild "Mohnfeld bei Vetheuil" gehe man von 20 Millionen Franken aus, sagte er. Somit sind die beiden anderen geraubten Werke - "Ludovic Lepic und seine Töchter" von Edgar Degas und "Blühende Kastanienzweige" von Vincent van Gogh - zusammen 60 Millionen Franken wert. Gloor sagte, van Gogh habe die "Kastanienzweige" in den sechs Wochen vor seinem Tod gemalt. Und von Cezannes "Knaben" gebe es weltweit nur noch drei andere Versionen, allesamt in amerikanischen Museen: eine in der National Gallery in Washington, eine im Museum of Modern Art in New York und eine in der Barnes Foundation in Philadelphia. Laut Gloor dürften die Bilder unverkäuflich sein: "Man kann davon ausgehen, dass Bilder nicht nur von der Fachwelt, sondern von einem großen Publikum erkannt werden."

Bei der Sammlung Bührle handelt es sich um eine Stiftung des Industriellen Emil Georg Bührle, der unter anderem Kanonen herstellte. Sie gilt als bedeutendste Sammlung der europäischen Moderne und französischer Impressionisten in der Schweiz. Vom Wert der geraubten Gemälde her dürfte der jüngste Fall einer der größten Kunstdiebstähle in der Schweiz gewesen sein.

Täter zwangen Museumswächer, sich auf den Boden zu legen

Der Polizei zufolge spielte sich der Überfall wie folgt ab: Kurz vor 16.30 Uhr seien drei vermummte Männer in das Gebäude eingedrungen. Einer der Männer habe die Personen im Eingangsbereich mit einer Faustfeuerwaffe bedroht und sie gezwungen, sich auf den Boden zu legen. Die zwei anderen Täter hätten sich in den Ausstellungssaal im Erdgeschoss begeben und die vier wertvollen Gemälde gestohlen. Anschließend seien sie aus dem Gebäude geflüchtet. Laut ersten Erkenntnissen der Stadtpolizei Zürich luden die Täter die Bilder unmittelbar vor dem Museum in ein weißes Fahrzeug und fuhren in Richtung Zollikon davon.

Eine Woche zuvor: zwei Picassos gestohlen

Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein Kunstraub in der Schweiz für Aufsehen gesorgt. Aus einer Ausstellung in Pfäffikon südlich von Zürich wurden zwei Gemälde von Pablo Picasso gestohlen. Die Bilder, die dem Sprengel Museum in Hannover gehören, sollen mehr als drei Millionen Euro wert sein. Von Tätern und Bildern fehlt jede Spur. Die Polizei wollte sich nicht dazu äußern, ob sie einen Zusammenhang zwischen den beiden spektakulären Taten sieht. Das Kulturzentrum in Pfäffikon hatte nach dem Raub seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Vor knapp einem Jahr war zu Ostern 2007 aus einer Villa in Genf eine Sammlung afrikanischer Kunst sowie ein Bild des deutschen Künstlers Joseph Beuys im Wert von 1,5 Millionen Euro gestohlen worden.

Der neue Fall weckt Erinnerungen an einen bewaffneten Raubüberfall Ende der 80er Jahre. Damals hatten drei Bewaffnete eine Kunstgalerie in der Züricher Innenstadt überfallen und 21 Renaissance-Gemälde im Wert von mehreren Millionen Franken geraubt, darunter Werke von Jan Maertens dem Jüngeren, Jan Steen, Willem van Aelst und Dirk Hals.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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