HOME

Spektakulärer Prozess in den USA: Callgirl soll Google-Manager mit Heroin getötet haben

Ein Callgirl, eine Überdosis Heroin und ein toter Google-Manager: Das sind die Zutaten für einen spektakulären Prozess im kalifornischen Santa Cruz. Nun muss die Angeklagte erneut vor den Haftrichter.

Mit rot geschminkten Lippen, schwarz ummalten Augen und langer dunkler Mähne steht Alix Catherine T. im Rampenlicht. Dazu trägt die 26-Jährige rote Gefängniskluft und Handschellen. Auf ihrer Facebook-Seite stellt sie sich als Model, Make-up-Künstlerin und Schriftstellerin vor. Für die Polizei im kalifornischen Santa Cruz ist die Frau ein Callgirl, das den Tod eines Google-Managers verschuldet haben soll.

An diesem Mittwoch muss die Angeklagte in dem Küstenort am Rande des Silicon Valley wieder vor den Haftrichter treten. Dabei soll sie zu den Vorwürfen - Totschlag, Drogenbesitz, Prostitution und Vernichtung von Beweismitteln - Stellung nehmen, sagte ein Sprecher des Gerichts. Möglicherweise gibt es noch mehr Opfer. Auch die Polizei im US-Staat Georgia geht neuen Hinweisen nach.

Plötzlicher Tod auf der eigenen Yacht

Mit dem Tod des 51-jährigen Managers Forrest Timothy H. kam der schlagzeilenträchtige Fall ins Rollen. Im vorigen November wurde die Leiche des fünffachen Familienvaters und Google-Mitarbeiters auf dessen Yacht entdeckt, von einem Bootskapitän. Der "liebevolle Ehemann und Vater", ein "brillanter Kopf" mit einem "ansteckenden Lächeln" sei unerwartet gestorben, stand in der Traueranzeige. Der "Los Angeles Times" zufolge arbeitete H. zeitweise auch für Apple und Sun Microsystems.

Monate später, nach der Festnahme von T. am 4. Juli, enthüllte der Polizeibericht Details: Demnach war das Callgirl in der Todesnacht an Bord der Luxusjacht im Hafen von Santa Cruz. Der Google-Manager habe die Frau über die Webseite Seekingarrangement kennengelernt. Den Ermittlungen zufolge gab T. ihrem Freier eine Spritze Heroin - mit tödlichen Folgen. Das mögliche Motiv für die Tat, über die unter anderem der "San Francisco Chronicle berichtet, bleibt bisher im Dunkeln.

Sie trank noch ein Glas Wein aus - und ging

Eine Überwachungskamera an Bord nahm den Vorfall auf. Das Opfer wird ohnmächtig, doch von T. kommt laut Polizeibericht keine Hilfe, kein Notruf. Vielmehr packt sie ihre Sachen ein und steigt dabei mehrmals über den leblosen Körper, auch ein Glas Wein trinkt sie noch aus, wie der Polizeibericht schildert. Sie schließt noch eine Jalousie, bevor sie die Jacht verlässt.

Die kalifornische Polizei heftet sich an die Fersen der Frau. Sie wird von einem Undercover-Polizisten, der sich als Kunde ausgibt, in eine Falle gelockt. Mehr als 1000 Dollar wollte das Callgirl in Rechnung stellen, stattdessen klicken Handschellen. Die Edelprostituierte sitzt in Untersuchungshaft. Mit 1,5 Millionen Dollar setzte der Richter eine hohe Kaution fest.

Möglicherweise bleibt es nicht bei einer Anklage. Die Polizei in ihrem Heimatstaat Georgia rollt einen ähnlichen Fall neu auf. Zwei Monate vor dem Tod des Google-Managers war der damalige Freund des Callgirls, ein 53-jähriger Rocker und Clubbesitzer, in seinem Haus plötzlich gestorben. Eine versehentliche Überdosis Heroin und Alkohol, befanden die Ermittler. "Zu jenem Zeitpunkt haben wir nichts anderes vermutet", sagte Polizeichef Shawn McCarty in einem Interview des Senders CNN. Mit der Verhaftung der Frau in Kalifornien sind neue Ermittlungen angelaufen.

"Keinerlei Mitleid für den sterbenden Freier!

"Sie ist kalt. Eiskalt", sagte der stellvertretende Polizeichef von Santa Cruz, Steve Clark, nach Angaben der "Los Angeles Times" über T. Sie habe keinerlei Mitleid für den sterbenden Freier gehabt.

Sie selbst zeichnet in den sozialen Medien ein teilweise düsteres Bild von sich. Auf Facebook postet sie morbide Gedichte und dunkle Fantasien. Sie zeigt viel nackte Haut, voll mit Tätowierungen. Sie träumt von einer Model-Karriere und gibt Tipps zum Schminken. Auf Twitter gibt sie sich als Model aus, aber auch als Callgirl, exotische Tänzerin und "schlimmstes Luder". Nun könnte sie noch "wegen Totschlags angeklagt" auflisten.

DPA / DPA