Spurensuche Was Polizeitaucher im Rhein finden


Der Rhein als letzte Ruhestätte für dunkle Geheimnisse? Weit gefehlt. Die Taucher der Wasserschutzpolizei können auch Jahre später noch Spuren eines Verbrechens aus dem Fluss bergen.

Die Scheinwerfer sind das einzige Licht in der stockfinsteren Nacht. Dunkel gekleidete Männer parken das Auto direkt am Rheinufer, dann machen sie den Motor aus und steigen aus dem Fahrzeug. Mit vereinten Kräften schieben sie den Wagen den kleinen Abhang hinunter in den Fluss. Langsam versinkt das Fahrzeug im Wasser. Für kurze Zeit steigen noch Luftblasen auf. Dann hat das Auto seine letzte feuchte Ruhestätte gefunden - meinen die Täter. Doch da irren sie sich gewaltig: Vater Rhein hat ein gutes Gedächtnis.

"Wir finden Autos und andere Gegenstände oft noch nach Jahren", sagt Peter Fischer, Sprecher bei der Wasserschutzpolizeidirektion Baden-Württemberg in Mannheim. "Der Rhein ist maximal sieben Meter tief und hat an manchen Stellen starke Strömungen, so dass die Fahrzeuge oft im wahrsten Sinne des Wortes auftauchen", erläutert Peter Fischer. Zudem gebe es oft Hinweise von Zeugen, die die Lichter im Wasser untergehen gesehen haben oder auf frische Reifenspuren am Ufer stoßen. Auch aufsteigende Ölblasen zeigten, dass hier eine Straftat begangen wurde.

Polizeitaucher werden immer öfter fündig

Nach der Erfahrung von Peter Fischer werden Autos aus drei Gründen im Rhein versenkt: "Es handelt sich um einen Unglücksfall und der Fahrer ist wegen eines Lenkfehlers im Rhein gelandet. Oder es liegt ein Versicherungsbetrug vor: Der Halter hat das Fahrzeug als gestohlen gemeldet und in Wirklichkeit im Rhein versenkt. Drittens handelt es sich bei den Fahrzeugen bisweilen um Diebesbeute, bei denen die Täter die verwertbaren Teile des Autos ausgebaut haben."

Deshalb hat die Wasserschutzpolizei des Landes entsprechende Einsatzkonzepte erarbeitet: Auch ohne konkreten Anlass suchen Polizeitaucher den Rhein an Brücken und abgelegenen ufernahen Straßen ab. "Tauchen an deliktrelevanten Örtlichkeiten" nennt sich die Strategie in Beamtendeutsch, bei der die Polizisten regelmäßig fündig werden. "Die Täter bevorzugen abseits gelegene Stellen mit gutem Wasseranschluss", sagt Peter Fischer schmunzelnd.

1999 Taucheinsätze verzeichnete die Wasserschutzpolizei im Jahr 2003 und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr. 990 Stunden waren die 50 Polizeitaucherinnen und -taucher unter Wasser. Die Liste der Funde: Drei Leichen, diverse Skelettteile, sechs Autos und Motorräder, Tresore, Pistolen und Handys brachten die Taucher wieder ans Tageslicht.

Folge waren Ermittlungsverfahren wegen Mordes, Totschlags, Betruges, Gewässerverunreinigung und umweltgefährdender Abfallbeseitigung. «Der Rhein wird oft einfach als Müllkippe missbraucht», klagt Klaus-Peter Gussfeld, Umweltreferent beim Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND). Bei der Einleitung von Abwässern in den Rhein seien in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte zu erkennen gewesen. Die Müllbeseitigung sei jedoch noch nicht besser geworden, auch wenn sie quantitativ bei der Gewässerverschmutzung keine so große Rolle spiele.

Henning Maak/DPA DPA

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