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Staatswanwaltschaft bestätigt: Phantommörderin hat nie existiert

Jetzt ist es amtlich: Das "Phantom von Heilbronn" hat nie existiert. Die DNA, die 2007 beim Mord einer Polizistin gefunden wurde, stammt nicht von der Mörderin, sondern von einer Arbeiterin eines bayerischen Betriebes, die mit den Wattestäbchen in Berührung gekommen war. Bei der Aufklärung des Falles steht die Polizei nun wieder ganz am Anfang.

Die Gen-Spur vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor eineinhalb Jahren stamme nicht von einem Tatbeteiligten, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Volker Link, am Freitag in Stuttgart. "Sie stammt, wie wir heute definitiv wissen, von einer anderen Frau." Es handele sich um die DNA einer Arbeiterin in einem Verpackungsbetrieb in Bayern, sagte der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, Klaus Hiller.

Am Donnerstag seien bei der Untersuchung von 96 unbenutzten Wattestäbchen sieben mit einer kleinen DNA-Verunreinigung festgestellt worden, sagte Darius Makuch vom Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Homburg/Saar. Darunter befand sich dann ein genetischer Fingerabdruck, der mit dem des angeblichen Phantoms übereinstimmte.

Die Arbeiterin, von der seit dem Jahr 2001 an Tatorten unterschiedlichster Verbrechen immer wieder Gen-Spuren gefunden worden waren, wurde nach Angaben des LKA am Freitagnachmittag identifiziert. Sie habe mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit der Begehung von Straftaten zu tun.

Die Möglichkeit einer Verunreinigung der Untersuchungsmaterialien wurde nach den Worten des Leiters der Sonderkommission für den Heilbronner Polizistinnenmord, Frank Huber, von Anfang an in Betracht gezogen. Ganz konkrete Hinweise habe es von österreichischen Ermittlern erst am 18. März gegeben. Daraufhin sei die Polizei sehr schnell auf die Firma in Bayern zugegangen und habe Speichelproben von allen Mitarbeitern genommen. Bei der bayrischen Firma handelt es sich nach den Worten von Staatsanwalt Volker Link "nicht nur um eine Verpackungsfirma, sondern auch um eine Firma für Medizinalbedarf."

Die Fehler bei den Ermittlungen wurden nach den Worten von LKA- Präsident Hiller durch verunreinigte Wattestäbchen verursacht. Diese Stäbchen würden nun nicht mehr verwendet. "Die jetzt identifizierte Schwachstelle wird zu einer entscheidenden Verbesserung der Spurensicherung führen", erklärte der LKA-Präsident. Er kündigte Konsequenzen an: Die Ermittlungsbehörden in Baden-Württemberg würden zusammen mit den anderen Bundesländern an gemeinsamen Standards für die Spurensicherung arbeiten.

Das Bundeskriminalamt (BKA) kündigte an, künftig bessere Mittel bei der Spurensicherung einzusetzen. Die Wattestäbchen seien zwar "medizinisch steril"; es gebe aber spezielle Verfahren, um das Material noch steriler zu machen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im Deutschlandfunk. Dass es Fehlverurteilungen aufgrund von DNA-Analysen gegeben haben könnte, schloss er aus: "Die DNA-Analyse ist ein taugliches Beweismittel."

Die Polizei muss nun in mehreren Mordfällen, in denen die DNA der vermeintlichen Phantom-Mörderin gefunden wurde, die Ermittlungen wieder auf Anfang stellen: Am 25. April 2007 hatten zwei Täter auf eine 22-jährige Polizistin und ihren damals 24-jährigen Kollegen auf dem Heilbronner Park- und Festplatz Theresienwiese geschossen. Die Polizistin starb, ihr Kollege überlebte schwer verletzt und hat keine Erinnerung an das Verbrechen. Dieselbe DNA-Spur fand sich in zwei ungeklärten Mordfällen: 1993 wurde eine 62-jährige Rentnerin in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) erdrosselt, am 26. März 2001 ein 61-jähriger Mann in Freiburg.

DPA/AP / AP / DPA