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Berufungsprozess in Arnsberg Gericht spricht Pastor-Stalkerin frei


Seit fast 15 Jahren stalkt eine 72 Jahre alte Rentnerin einen Pastor aus dem Sauerland. Nachdem die Frau deswegen zu 14 Monaten Haft verurteilt wurde, sprach ein Gericht sie nun frei. Sie sei lästig - aber nicht gefährlich.

Sie ruft ihr Opfer an, schreibt E-Mails oder Briefe mit teilweise perversen Sex-Phantasien - und erscheint immer wieder leicht bekleidet im Garten des Pfarrhauses der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde in Freienohl, einem Ortsteil von Meschede im Sauerland. Seit fast 15 Jahren stellt eine 72-jährige Rentnerin einem Priester nach - und wurde nun vom Landgericht in Arnsberg in einem Berufungsprozess freigesprochen. Aus Sicht des Gerichts ist die Frau schuldunfähig, eine erstinstanzliche Verurteilung zu 14 Monaten Haft wurde aufgehoben.

Nach Einschätzung mehrerer Experten leidet die Frau unter einem krankhaften Liebes-Wahn. Die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung könne das Gericht nicht anordnen: Körperliche Übergriffe hat es nie gegeben und sind den Gutachtern zufolge auch nicht zu erwarten. "Sie ist lästig, aber nicht gefährlich", sagte der Richter. Die Rentnerin machte in dem Prozess keinen Hehl daraus, dass sie den Pastor liebe. Der dürfe nur wegen des Zölibats ihre Gefühle nicht erwidern, erzählte sie dem Richter. 

Das 61 Jahre alte Opfer dagegen zeigte sich zu Beginn des Berufungsprozesses in der vergangenen Woche frustriert. "Ich will nur meine Ruhe. Und der Rechtsstaat hilft mir nicht", schimpfte Priester Michael Hammerschmidt. Die Nachstellungen muss er nun offenbar weiter hinnehmen - es sei denn, die liebestolle Rentnerin kommt zur Besinnung.

kis DPA

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