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Steigende Umfragewerte: Amerikaner rechnen Obama bin Ladens Tod hoch an

Wenn US-Präsident Barack Obama heute Ground Zero in New York besucht, wird er wohl spüren, dass sein Ansehen im Land durch die Tötung von Osama bin Laden deutlich gestiegen ist. Pakistanische Sicherheitskräfte warfen den USA dagegen vor, den unbewaffneten bin Laden kaltblütig erschossen zu haben.

Nach dem Tod von Topterrorist Osama bin Laden hat US-Präsident Barack Obama in der Gunst seines Volkes deutlich zugelegt. Vor allem beim Thema Terrorbekämpfung stellten 72 Prozent der Amerikaner ihrem Präsidenten ein gutes Zeugnis aus, vor der Aktion waren es noch 51 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der "New York Times" und des Fernsehsenders CBS. In der Nacht zu Montag hatten US-Elitesoldaten das Versteck des Al-Kaida-Chefs im pakistanischen Abbottabad gestürmt und den "Staatsfeind Nummer eins" getötet. Am Abend (MESZ) wird Obama am Ground Zero in New York erwartet, wo er einen Kranz niederlegen und sich mit Angehörigen von 9/11-Opfern treffen will. Schon bei der Bekanntgabe des Todes Bin Ladens hatte Obama die Hoffnung geäußert, dass die Familien der Opfer nun zumindest etwas Frieden finden könnten.

Auch absweits des Themas Terrorbekämpfung legte Obamas Beliebtheit nach dem Befehl für die Kommando-Aktion gegen Bin Laden deutlich zu. Rund 57 Prozent der Amerikaner befürworteten die Arbeit ihres Staatsoberhauptes - in der letzten Umfrage im April waren es dagegen nur 46 Prozent. Laut Umfrage profitiert Obama vor allem von der gestiegenen Zustimmung von Anhängern der Republikaner und anderer Parteien.

Größere Zustimmung zur Afghanistan-Politik

86 Prozent der Amerikaner befürworteten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen Reports den Befehl für den Sondereinsatz gegen Bin Laden. Laut "New York Times" und CBS fürchten allerdings mehr als sechs von zehn Amerikanern nun einen Anstieg der Terrorbedrohung für die USA. Die große Mehrheit gab zudem an, dass sie sich nach dem Tod des Al-Kaida-Führers nicht sicherer fühlten. Nur 16 Prozent sagten das Gegenteil.

Der Bin-Laden-Tod befeuert auch die Zustimmung für Obamas Afghanistan-Politik: 61 Prozent der Befragten bescheinigen ihrem Präsidenten eine gute Arbeit. Zuletzt waren es nur 44 Prozent. Sechs von zehn Befragten unterstrichen, dass die USA ihre Mission in Afghanistan noch nicht beendet haben. Allerdings befürwortete etwa die Hälfte eine Reduzierung der Tuppenstärke am Hindukusch. Nach den Plänen der Obama-Regierung sollen die US-Soldaten von diesem Sommer an das Land nach und nach verlassen. Bis 2014 soll der Abzug dann vollständig abgeschlossen sein.

Jagd auf Mullah Omar und al Sawahiri eröffnet

Nach der US-Aktion gegen bin Laden will nun die pakistanische Regierung nach Medienberichten den ebenfalls im Land vermuteten Taliban-Chef Mullah Omar sowie Al-Kaida-Vize Eiman al Sawahiri fassen. Wie die Zeitung "The News" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll in nächster Zeit eine "massive Suchaktion" beginnen. Im Fokus stünden dabei die westpakistanische Stadt Quetta sowie die Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan.

"Ziel ist es, Mullah Omar oder den ägyptischen Arzt Eiman al Sawahiri so schnell wie möglich zu ergreifen, sollten sich diese in Pakistan versteckt halten", schreibt die Zeitung. Auch der Führungsrat der afghanischen Taliban wird seit langem in den pakistanischen Städten Quetta oder Karachi vermutet.

Schwere Vorwürfe gegen US-Kommando

Trotz der pakistanischen Bemühungen schließt Obama weitere eigene militärische Einsätze gegen Terrorverdächtige in Pakistan nicht aus. Obama behalte sich das Recht vor, gegen Terroristen vorzugehen, die sich in Pakistan aufhielten, sagte Präsidentensprecher Jay Carney. Pakistan wies Vorwürfe zurück, der pakistanische Geheimdienst habe bin Laden gedeckt.

Vielmehr erhebt Pakistan schwere Vorwürfe gegen die USA: Das auf Osama bin Laden angesetzte US-Kommando habe den unbewaffneten Al-Kaida-Chef und vier seiner Vertrauten kaltblütig erschossen, erklärten zwei Vertreter pakistanischer Sicherheitsbehörden am Donnerstag mit Blick auf die Erstürmung des Anwesens von bin Laden in der pakistanischen Stadt Abbottabad. "Die Bewohner des Hauses waren unbewaffnet. Es gab keinen Widerstand", sagte einer. Damit widersprach er US-Darstellungen, mehrere Bewohner der Anlage seien bewaffnet gewesen und einer habe das Feuer auf die Spezialeinheit eröffnet. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte in Rom, weitere Details der Kommando-Aktion würden nicht veröffentlicht.

Die beiden Vertreter pakistanischer Sicherheitskräfte wollten nicht sagen, wie sie zu diesen Erkenntnissen gekommen sind. Allerdings haben die Sicherheitskräfte die überlebenden Bewohner der Anlage festgenommen. Von der Nachrichtenagentur Reuters erworbene Fotografien aus dem Gebäude zeigen Nahaufnahmen von drei Männern in Blutlachen. Waffen sind nicht zu erkennen. Die Aufnahmen wurden von einem Mitglied pakistanischer Sicherheitskräfte kurz nach Ende des US-Einsatzes gemacht.

dho/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters