HOME

"Er liebte sie": Marilou D. - die Frau an der Seite des Massenmörders von Las Vegas

Als ihr Freund Stephen Paddock zum Massenmörder wurde, war sie am anderen Ende der Welt. Jetzt ist Marilou D. zurück in den USA - und könnte bei der Aufklärung des Blutbads von Las Vegas zur Schlüsselfigur werden.

Marilou D. (kleines Bild) war die Partnerin des Massenmörders von Las Vegas. In diesem Haus lebte das Paar zusammen.

Marilou D. (kleines Bild) war die Partnerin des Massenmörders von Las Vegas. In diesem Haus lebte das Paar zusammen.

Stephen Paddock, der Mann, der für das verheerendste Schusswaffen-Attentat in der jüngeren Geschichte der USA verantwortlich ist, sei ein Einzeltäter gewesen, sagen die Behörden. Das kann beruhigen. Man kann sich sagen: Paddock gehörte keiner Organisation an, es gibt keine Bandenmitglieder, die ähnlicher Gesinnung sind und ähnliche Hinrichtungen anrichten wollen. Andererseits macht gerade die mutmaßliche Einzeltäterschaft die Aufklärung des Verbrechens so schwierig. Was trieb Stephen Paddock, den Buchhalter, den Spieler, den Millionär zum Massenmord?

An Tag 2 nach dem Blutbad am Las Vegas Strip suchen die Ermittler noch immer nach Paddocks Motiv. Dem sogenannten Islamischen Staat, der die Tat noch am Montag für sich beansprucht hatte, glauben sie nicht. Man mache Fortschritte, habe aber noch keine "vollständigen Antworten", sagte Bezirkssheriff Joseph Lombardo am Dienstag vor Journalisten. Große Hoffnungen setzen die Ermittler jetzt auf eine Frau, die am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr in Los Angeles aus einem Flugzeug stieg und von FBI-Agenten in Empfang genommen wurde: Marilou D. war die Freundin des Todesschützen. Sie gilt als jene Person, die möglicherweise Licht ins Dunkel rund um Paddocks Beweggründe bringen könnte.

Massenmord in Las Vegas: Paddocks Freundin ist eine "person of interest"

Marilou D. ist 62 Jahre alt, zwei Jahre jünger als Paddock, sie stamme von den Philippinen, habe aber die australische Staatsbürgerschaft, berichtet die "Washington Post" und beruft sich dabei auf australische Behörden. Als ihr Freund Stephen Paddock am Sonntag aus dem 32. Stockwerk des "Mandalay Bay Resort and Casino" auf 20.000 feiernde Country-Festival-Besucher feuerte, war seine Partnerin am anderen Ende der Welt: Am 25. September sei sie von Hong Kong nach Manila geflogen, schreibt die "Post", und auf den Philippinen sei sie auch zum Tatzeitpunkt gewesen.

Doch als die Ermittler Paddocks Hotelzimmer durchkämmten, hätten sie D.s Karte für die Bedienung eines Spielautomaten bei ihm gefunden, zudem weitere Dokumente, die auf D. schließen ließen, berichtet "Fox News". Das FBI nennt die 62-Jährige deshalb "person of interest". So bezeichnen Ermittler Menschen, von denen sie sich wichtige Informationen versprechen, die aber gegenwärtig nicht zwangsläufig als Tatverdächtige eingestuft werden.

"So eine nette Person" - dann traf sie Paddock

Stephen Paddock sei in seinem Leben zwei Mal verheiratet gewesen, schreibt die "Washington Post", und wurde dem Bericht zufolge auch zwei Mal geschieden. Marilou D. bezeichnet die Zeitung als seine "langjährige Freundin". Auch sie war vor Paddock in einer Ehe, lebte laut "USA Today" mit ihrem Mann in der Kleinstadt Sparks, Nevada. Eine überaus gesellige Frau, eine großartige Nachbarin, sagen Leute, die sie von damals kennen, so eine nette Person. Sie habe ein "normales Leben" mit ihrem "normalen Mann" geführt, berichtete ein Nachbar dem Sender. Dann sei das Paar weggezogen - ins circa sieben Kilometer entfernte Reno. Dort dürfte Paddock in D.s Leben getreten sein.

Kennengelernt hätten sich Paddock und D. vor vielen Jahren, als D. als Empfangsdame in einem Hotel in Reno arbeitete. So erzählt es Paddocks Bruder der "Washington Post". Laut "USA Today" lebte das Paar zuerst in Paddocks Haus in Reno. Nachbarn von damals beschreiben die beiden als "in sich gekehrt", ein Paar, das für gesellige Aktivitäten in der Nachbarschaft nur wenig übrig hatte. Zuletzt hätten Paddock und D. in einem Haus in Mesquite, 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas, gelebt, schreibt die "New York Times". Dort - sowie im Hotelzimmer in Las Vegas und einem Haus in Reno - stellte die Polizei 47 Schusswaffen sicher. Außerdem Tausende Schuss Munition und Sprengstoff - ein gewaltiges Arsenal. 

Paddocks Bruder: "Er liebte sie"

"Großer Mann, winzige Frau - die beiden waren entzückend", sagte Paddocks Bruder der "Post". "Er liebte sie." Doch nicht alle beschreiben die Beziehung zwischen Paddock und D. so harmonisch. Mitarbeiter eines Starbucks in Mesquite erzählten im Gespräch mit der "Los Angeles Times", wie Paddock seine Freundin immer wieder öffentlich niedergemacht haben soll. Thema des Konflikts sei das Glücksspiel gewesen, denn ähnlich wie Stephen Paddock soll auch D. eine Schwäche dafür entwickelt haben, berichtet die "Post": Oft hätten die beiden gemeinsam um Geld gespielt.

Paddocks Bruder sagt, er wisse nichts von Streitereien oder gar von einer Trennung. Im Gegenteil: Es würde ihn nicht verwundern, sagte er Medienberichten zufolge, wenn sein Bruder D. fortgeschickt habe, damit sie nicht ins Verbrechen hineingezogen werde. Wie "USA Today" berichtet, äußerten auch zwei Schwestern von D. diesen Verdacht im australischen TV. "Sie wurde weggeschickt, damit er in Ruhe planen konnte", wird eine Schwester zitiert. Demnach habe er ihren Trip auf die Philippinen geplant: "Steve hat gesagt "Marilou, ich habe dir ein günstiges Ticket auf die Philippinen gekauft". Dorthin soll Paddock mehreren Medienberichten zufolge wenige Tage vor der Tat auch 100.000 Dollar überwiesen haben - ein Geldtransfer, der Rätsel aufgibt. Paddocks Bruder sagt dazu: "Stephen kümmerte sich um die Menschen, die er liebte. Er hat mich und meine Familie reich gemacht. Das ist der Steve, den wir kennen. Den wir kannten."  

pg