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Doppelmörder Stephen West: Seine letzten Worte brachten keine Antworten: 56-Jähriger in Tennessee hingerichtet

32 Jahre saß Stephen West wegen Doppelmordes im Todestrakt. Jetzt wurde der 56-Jährige hingerichtet. Seine letzten Worte dürften die Hinterbliebenen der Opfer enttäuscht haben.

Stephen Michael West auf einem Polizeifoto

Stephen Michael West auf einem Polizeifoto

AFP

Ein Doppelmörder ist im US-Bundesstaat Tennessee nach 32 Jahren im Todestrakt hingerichtet worden. Der wegen der Ermordung einer Frau und deren Tochter verurteilte Stephen Michael West wurde am Donnerstagabend im Hochsicherheitsgefängnis von Nashville auf dem elektrischen Stuhl exekutiert. Einen Tag zuvor hatte der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, ein Gnadengesuch des 56-Jährigen abgelehnt.

West wählte selbst den elektrischen Stuhl

Nachdem West auf dem Hinrichtungsstuhl Platz genommen hatte und festgeschnallt worden war, fragte ihn ein Gefängniswärter nach seinen letzten Worten, wie ein Reporter des "Knoxville News Sentinel" berichtet. "Am Anfang schuf Gott den Menschen", habe dieser geantwortet. "Und Jesus weinte." Dann habe West pausiert, angefangen zu zittern, soweit es ihm die Schnallen gestatteten, und gesagt: "Das ist alles."

Anschließend hätten die Wärter dem Verurteilten die Elektroden angelegt, ein schwarzes Tuch über seinem Gesicht befestigt und den Strom eingeschaltet. West habe sich aufgebäumt und seine Hände zu Fäusten geballt, dann sei sein Körper erschlafft. Ein zweiter Stromstoß habe noch einmal dieselbe Reaktion hervorgerufen. Dann habe sich der 56-Jährige nicht mehr bewegt. Um 19.27 Uhr sei er für tot erklärt worden.

Eddie Campbell, ein Verwandter der Mordopfer, hatte laut dem "Knoxville News Sentinel" gehofft, dass West sich mit seinen letzen Worten für die Taten entschuldigen würde. "Ich würde gerne wissen, ob es irgendeine Reue für das gibt, was er getan hat", habe Campbell vor der Hinrichtung gesagt. "Ich möchte ihm in die Augen sehen und fragen, warum? Warum hast du so etwas getan?" Nach der Exekution erklärte Campbell, er hoffe, dass West Frieden mit Gott geschlossen und diesen wirklich "um Vergebung für ein so abscheuliches Verbrechen" gebeten habe.

West hatte sich nach Angaben der Gefängnisverwaltung erst wenige Stunden vor seiner Exekution für den elektrischen Stuhl entschieden. In Tennessee haben vor 1999 zum Tode verurteilte Häftlinge das Recht, zwischen dieser Hinrichtungsmethode und einer Giftspritze zu wählen. Allgemein wird der elektrische Stuhl in den USA nur noch selten für Hinrichtungen genutzt. Lokalmedien mutmaßten, West habe sich von seiner Wahl möglicherweise einen Aufschub erhofft. Im vergangenen Jahr hatte ein Häftling eine zehntägige Verzögerung seiner Exekution erreicht, indem er kurzfristig den elektrischen Stuhl als Methode verlangt hatte.

West kam in einer Nervenheilanstalt zur Welt

Eine Geschworenenjury hatte West 1987 schuldig gesprochen, ein Jahr zuvor die 51 Jahre alte Wanda Romines und ihre 15-jährige Tochter Sheila in ihrem Haus in Ost-Tennessee getötet zu haben, wie die Tageszeitung "The Tennessean" berichtet. Die Opfer wurden demnach beide erstochen, ihre Hände waren hinter ihrem Rücken gefesselt. Sheila sei 17 Mal in den Magen gestochen worden. Bei der Verhandlung habe ein forensischer Pathologe ausgesagt, dass 14 dieser Stichwunden "folterartigen Schnitten" entsprächen. Dem Urteil zufolge hatte West das Mädchen außerdem vor ihrem Tod vergewaltigt.

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West hatte die Morde stets bestritten und angegeben, sein zu lebenslanger Haft verurteilter Mitangeklagter Ronnie Martin habe die Opfer getötet. Seine Verteidiger führten zudem psychische Probleme zur Entlastung ihres Mandanten ins Feld. West war nach Angaben von "USA Today" 1962 in einer Nervenheilanstalt zur Welt gekommen. Seine Mutter Wanda hatte während ihrer Schwangerschaft versucht, sich umzubringen, indem sie Kohlenmonoxid aus einem Gasofen einatmete. Nach Angaben seiner Anwälte war Wests Kindheit durch fast ständigen körperlichen und emotionalen Missbrauch durch seine Eltern beeinträchtigt. Sie argumentierten, dass Missbrauch eine Reihe von schweren psychischen Erkrankungen verursacht oder verschlimmert habe, darunter Schizophrenie und posttraumatische Belastungsstörungen.

Die Todesstrafe ist in 29 US-Bundesstaaten erlaubt. Im Juli hatte die Regierung in Washington angekündigt, sie nach 16-jähriger Pause auch auf Bundesebene wieder anzuwenden.

Quellen: "Knoxville News Sentinel""The Tennessean""USA Today"

mad