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stern-Interview Die toten Schwestern von Krailling - jetzt spricht die Tante


Ursula S. hält den eigenen Mann für einen Mörder. Sie ist die Tante von Chiara und Sharon, den beiden toten kleinen Schwestern aus dem bayerischen Krailling. Im stern-Interview spricht sie zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Knapp drei Monate, nachdem die beiden Schwestern Chiara und Sharon tot in einer Wohnung im bayerischen Krailling aufgefunden wurden, spricht jetzt erstmals ihre Tante in der Öffentlichkeit. In einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern, schildert Ursula S., warum sie sicher ist, dass ihr Mann Thomas die beiden Mädchen getötet hat. "Er hat mich bewusst ruhiggestellt in dieser Nacht (die Nacht, als die Mädchen starben), da bin ich mir sicher. Am Tatort wurde seine DNA gefunden. Das Messer könnte aus unserem Haushalt stammen, der Mörder hat eine Hantel als Waffe verwendet, um die Mädchen zu erschlagen. Bei uns lagen Hanteln rum, mit denen mein Mann trainiert hat", sagt die 44-Jährige - und: "Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er es war."

Die achtjährige Chiara und ihre elfjährige Schwester waren im März in der Wohnung ihrer Mutter Anette S. getötet worden. Der 50-jährige Thomas S. wurde wenige Tage darauf festgenommen und ist dringend tatverdächtig. Die Ermittler fanden seine DNA-Spuren an den Mädchen und den Tatwaffen, sein Blut in der Wohnung.

Seine Frau hatte ihm anfangs ein Alibi gegeben, weil sie nicht glauben wollte, so Ursula S. im stern, dass "mein Mann zu so einer Tat in der Lage ist". Heute belastet sie ihn schwer. Es gebe vieles, "von dem ich sage, da hätte ich Verdacht schöpfen können". Die Tat sei lange geplant gewesen. Zu seiner Aussage, er sei zwei Wochen vor der Tat in der Wohnung gewesen, habe dort Nasenbluten bekommen, sagt S.: "Das hätte ich mitbekommen. Wir waren bis auf die paar Stunden, an denen er gearbeitet hat, eigentlich immer zusammen. Und zwischen der Familie meiner Schwester und meiner herrschte absolute Funkstille, was hätte er dort zu suchen gehabt? Er hat mir gegenüber auch nie etwas von einem Besuch bei meiner Schwester erwähnt."

Thomas S. schweigt, sagt nichts zu seinem Motiv, die Ermittler gehen von Habgier aus. Unter anderem hat er sich mit Anette S. um eine Wohnung gestritten. Dazu sagt Ursula S. im stern: "Ja, diesen Streit gab es. Wir trafen uns letzten August, weil wir wollten, dass uns Anette meine Hälfte der Wohnung abkauft. Wir brauchten das Geld, schließlich bauten wir in Peißenberg unser Haus. Sie hat 35.000 Euro geboten, wir hatten 45.000 oder 50.000 Euro erwartet. Mein Mann ist wutentbrannt aufgestanden, hat gesagt, dass die Sache damit erledigt sei."

Ursula S. erzählt, dass sie und ihre Schwester sehr unterschiedlich gewesen seien, Anette S. ihrem Mann häufig widersprochen habe, was in ihm einen Riesenhass geschürt haben könnte: "Ich glaube, dass er meine Schwester an ihrem empfindlichsten Punkt treffen wollte, das sind ihre Kinder. Kinder, die man gebärt, sind das Verletzlichste, was man als Frau hat. Und er wollte ihr das Verletzlichste nehmen. Er wird nie sagen warum, das weiß ich, er ist sehr stur. Aber das ist meine einzige Erklärung."

Die Tante der beiden Opfer lebt mit ihren vier Kindern wieder in Peißenberg, will keinen Kontakt zu ihrem Mann, sondern die Scheidung. Vor dem Tag, an dem er das Gefängnis wieder verlassen könnte, hat sie Angst. "Weil ich gegen ihn ausgesagt habe. Und weil ich ihn nicht mehr erkenne, er nicht der Mann ist, den ich geheiratet habe. Aber momentan freue ich mich am meisten auf meine Scheidung, die ist dann wie eine Hochzeit."

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