Strauß-Urteil "Raffgierig Steuern hinterzogen"


Regungslos nahm er den Richterspruch auf. Wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe wurde Max Strauß zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt - das bisher spektakulärste Urteil um die Schreiber-Affäre.

Für den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) wäre es ein schwarzer Tag gewesen. Am Donnerstag verurteilt das Landgericht Augsburg seinen ältesten Sohn und einstigen Hoffnungsträger Max Strauß wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung zu drei Jahren und drei Monaten Haft.

Der 45-jährige, psychisch angeschlagene Mann nimmt das Urteil äußerlich gelassen. Bullig und fast regunglos sitzt er in sich zusammengesunken auf der Anklagebank. Nur gelegentlich geht ohne ersichtlichen Grund ein breites Grinsen über das Gesicht. "Mein Mandant ist tief betroffen, auch wenn er nicht unbedingt den Eindruck macht", versichert Anwalt Wolfgang Dingfelder später.

Minutiöse Urteilsbegründung

Bei dem Urteil, das der Vorsitzende Richter Maximilian Hofmeister zwei Stunden lang minutiös begründet, gibt es eigentlich nichts zu lachen. "Max Strauß ist Maxwell", befindet das Gericht. "Er hat seinen Namen verkauft." Der Strauß-Sohn habe dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber bei seinen internationalen Geschäften als Türöffner gedient und dafür 5,2 Millionen Mark an Schmiergeldern auf das Züricher Tarnkonto "Maxwell" kassiert. "Das Konto war in der Schweiz, weil die Herren ganz profan raffgierig Steuern hinterziehen wollten und sich dort sicher wähnten", sagt Hofmeister.

Ausdrücklich betont der Richter, bei dem Prozess habe es sich nicht um ein politisches Verfahren gehandelt. "Wir messen Ihren Lebensweg nicht als Sohn vom Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Diese Tatsache kann nichts entschuldigen oder beschönigen". Mit Blick auf das Dauerschweigen des Angeklagten während des gesamten Prozesses fügt Hofmeister hinzu: "Sie hatten die Gelegenheit, die Schatten der Vergangenheit abzustreifen. Sie haben diese Chance ausgeschlagen."

Für Max Strauß mit seinen einst hochfliegenden Plänen bricht mit dem Urteil endgültig eine Welt zusammen. Seine Zulassung als Rechtsanwalt hat er längst zurückgegeben, seine Parteiämter ruhen. Nach einem völligen Zusammenbruch ist er seit fast einem Jahr stationär in der Psychiatrie. Und erst vor wenigen Monaten wurde er in München wegen Beihilfe zum millionenschweren Anlagebetrug der Wabag-Firmengruppe zu 300 000 Geldstrafe verurteilt.

Pfändungen, Gerichtskosten und Steuernachzahlung

Seine finanzielle Situation ist prekär: Die 300 000 Euro konnte er nur mit Hilfe einer "Sammlung" unter Freunden begleichen, seine Vermögenswerte einschließlich dem Haus der Familie sind gepfändet. Jetzt kommen die Steuernachzahlung, die Gerichtskosten und mögliche Schadenersatzansprüche aus der Wabag-Affäre auf ihn zu. Vier Millionen Euro haben die geschädigten Anleger bereits angekündigt.

Vor diesem Hintergrund erlässt das Landgericht einen sofortigen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. Strauß muss nur deshalb nicht in Handschellen des Schwurgerichtssaal verlassen, weil Richter Hofmeister strenge Auflagen verfügt: Strauß kann sich praktisch nicht mehr frei bewegen. "Mein Mandant ist über acht Jahre geteert und gefedert worden, heute ist er abgeschlachtet worden", sagt der Verteidiger in die Kameras.

"Sie sind selbst verantwortlich"

Für das Augsburger Landgericht geht nach dem Urteil die Schreiber-Affäre nahtlos weiter. Der diese Woche nach fünf Jahren Flucht gefasste frühere CSU-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls steht als nächster Kandidat vor Hofmeister. "Herr Pfahls kann sich mal die strafmildernden Umstände eines Geständnisses durch den Kopf gehen lassen", sagt der Richter. Denn Strauß wäre aus seinem Verfahren wohl mit einer Bewährungsstrafe davongekommen, hätte er gestanden. "Für Ihre jetzige Situation ist nicht die Justiz verantwortlich, sondern Sie selbst, Herr Strauß", gibt er dem Angeklagten mit auf den Weg.

Nada Weigelt und Nikolaus Dominik/DPA DPA

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