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Strecke Kiel – Hamburg Zwei Tote und sieben Verletzte nach Messerattacke in Regionalzug – Täter festgenommen

Großaufgebot von Polizei- und Rettungskräften in Brokstedt nach dem Messerangriff in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg
Großaufgebot von Polizei- und Rettungskräften am Bahnhof Brokstedt nach dem Messerangriff in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg
© Jonas Walzberg / DPA
Es gibt Tote und mehrere, teils schwer Verletzte: In einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg ist ein Angreifer mit einem Messer auf Reisende losgegangen. Der Mann wurde festgenommen.

In Schleswig-Holstein hat ein Mann in einem Regionalzug Reisende mit einem Messer attackiert, dabei zwei Menschen getötet und sieben weitere Menschen verletzt, drei davon schwer, wie die Polizei in Itzehoe mitteilte. 

Der Angreifer wurde den Angaben zufolge im Bahnhof Brokstedt (Kreis Steinburg) zwischen Neumünster und Hamburg von Polizisten festgenommen. Der 33-Jährige werde im Krankenhaus behandelt. Es gebe Hinweise, dass er geistig verwirrt sein könnte, erfuhr die Nachrichtenagentur DPA aus Sicherheitskreisen. Er sei nach vorläufigen Erkenntnissen bisher nicht als Extremist aufgefallen. "Die Hintergründe sind noch unklar, ebenso wie die Identitäten der Geschädigten", sagte die Polizeisprecherin. Der mutmaßliche Täter habe die Menschen in dem noch fahrenden Zug angegriffen. Den Angaben der Sprecherin zufolge wurde auch der mutmaßliche Täter verletzt. 

Messerangriff im Zug von Kiel nach Hamburg: Zeugen hielten Angreifer offenbar fest

Der Zug der Regionalexpress-Linie 70 sei auf dem Weg aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel in Richtung Hamburg gewesen. Kurz vor der Ankunft im Brokstedt sei der Mann gegen 15 Uhr auf die Fahrgäste losgegangen. Nach Angaben der Polizei Itzehoe gelang es den Zeugen unmittelbar nach der Tat, den Verdächtigen zu stoppen, bis die Einsatzkräfte am Bahnhof in Brokstedt eintrafen. Nach dem Stopp des Zuges in Brokstedt habe sich das Geschehen aus den Waggons auf den Bahnsteig verlagert. Zuerst hatten die "Kieler Nachrichten" über den Angriff berichtet. Ein Augenzeuge berichtete der Zeitung, Fahrgäste seien in Panik geraten.

Hilfetelefon für Betroffene

Schleswig-Holstein hat ein Hilfetelefon für die Betroffenen der Messerattacke in der Regionalbahn bei Brokstedt eingerichtet: 0800 - 000 75 54

Rund 120 Menschen seien in dem Zug gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei in Itzehoe am Mittwochabend. "Das muss ein sehr großes Chaos gewesen sein." Nach dem Angriff wurden etwa 70 Zeugen von der Polizei befragt und betreut. Wie ein DPA-Reporter am Abend berichtete, wurde der Zug Stunden nach der Tat vom Bahnhof in Brokstedt weggefahren.

Studentin schildert Polizei die Tat

Eine Frau aus Bad Bramstedt wartete wenige Meter entfernt vom Bahnhof auf ihre Tochter. Die 18 Jahre alte Studentin war mit dem Zug auf dem Rückweg von der Uni in Kiel. "Sie hat gesehen, wie ein Mensch vier Reihen vor ihr auf jemanden eingestochen hat", sagte die Mutter. Sie könne derzeit noch nicht mit ihrer Tochter sprechen, nur schreiben, sagte die sichtlich bewegte Frau. Die Tochter warte noch darauf, bei der Polizei eine Aussage zu machen. Die junge Frau sei zwar unverletzt. "Ich glaube aber, es geht ihr schlecht. Was sind das für Menschen, die so etwas machen?", sagte die Mutter.

Auf dem Bahnsteig verteilte kleine Schilder mit Nummern zeugten von den schrecklichen Geschehnissen, die sich in dem Zug kurz zuvor abgespielt hatten. Ermittler liefen mit Kameras den Bahnsteig ab, neben dem der Regionalzug "RE70 Hamburg Hbf" stand. Eine nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt gelegene Bäckerei schenkte Rettungskräften und Fahrgästen heiße Getränke und Backwaren aus. "Für uns eine Selbstverständlichkeit", sagte eine Verkäuferin.

Schleswig-Holsteins Innenministerin Sütterlin-Waack: "Wir sind alle erschrocken und entsetzt"

Innenministerin Sütterlin-Waack sagte dem Norddeutschen Rundfunk: "Es ist ganz furchtbar. Wir sind alle erschrocken und entsetzt." Sie wollte noch am Mittwochabend nach Brokstedt reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Sie sei "in Gedanken bei den Familien und Angehörigen der Opfer" und danke "den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die den Täter festgenommen haben sowie allen Rettungskräften, die die Verletzten versorgt haben", hieß es in einer Mitteilung ihres Ministeriums. Bundes- und Landespolizei arbeiteten eng zusammen. "Für mich steht fest, dass sich die entsetzliche Tat gegen jede Menschlichkeit richtet", wurde Sütterlin-Waack in der Mitteilung zitiert. Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sei informiert worden, hieß es in Kiel.

Zwei Tote nach Angriff in Regionalexpress – Täter festgenommen

Auf der Verbindung zwischen den beiden Städten fielen laut DB Regio Schleswig-Holstein zahlreiche Züge aus oder fuhren verspätet. Ein Schienenersatzverkehr sollte eingerichtet werden. Der Bahnhof der 2000-Einwohner-Gemeinde wurde gesperrt. Bilder von vor Ort zeigten ein Großaufgebot an Rettungs- und Polizeikräften.

Ministerpräsident Günther: "Das ist ein furchtbarer Tag"

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat schockiert auf die Attacke reagiert. Der CDU-Politiker sprach am Mittwochabend in Kiel von einer schrecklichen und sinnlosen Tat, die zwei Menschen das Leben gekostet habe. "Schleswig-Holstein trauert – das ist ein furchtbarer Tag", sagte Günther. Er denke an alle, die trauerten und um die Verletzten bangten.

"Ich habe mit tiefer Trauer und Bestürzung diese Nachricht heute Nachmittag auch selbst aufgenommen", sagte Günther. Er sei in Gedanken und Gebeten bei den Menschen, bei den Angehörigen. Günther dankte den Einsatzkräften für deren Arbeit und auch denen, die sich um die Passagiere und Zeugen im Zug sowie um die Verletzten gekümmert hätten.

Trauerbeflaggung in Schleswig-Holstein

Das Kieler Innenministerium hat zum Gedenken an die Opfer Trauerbeflaggung an den Dienstgebäuden aller Behörden und Dienststellen des Landes angeordnet. Die Flaggen sollten am Donnerstag auf halbmast gesetzt werden, teilte das Ministerium mit. Unter anderem den Kreisen und Gemeinden empfiehlt das Ministerium, sich der Trauerbeflaggung anzuschließen.

Ein vergleichbar schweres Gewaltverbrechen in einem Zug hat es laut Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben. Madsen und der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Nah.SH, Arne Beck, erklärten, sie seien in Gedanken bei den Betroffenen und bei deren Angehörigen. Den Verletzten wünschten sie schnelle Genesung. "Jetzt hoffen wir auf eine zügige Aufklärung durch die Polizei", sagte Beck laut Mitteilung.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde nach seiner Erstveröffentlichung fortlaufend aktualisiert.

Quellen: "Kieler Nachrichten", Norddeutscher RundfunkDB Regio Schleswig-Holstein bei Twitter, Nachrichtenagenturen DPA und AFP.

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