Streit um MP3-Player Jennifers junger Mörder verurteilt


Ein 15-Jähriger muss mehr als sieben Jahre ins Gefängnis, weil er die 13-jährige Jennifer erwürgt hat. Das Gericht begründete die hohe Strafe mit der Brutalität der Tat. Die beiden Kinder hatten sich um eine Kleinigkeit gestritten.

Wegen Mordes an der 13-jährigen Jennifer hat das Landgericht Chemnitz einen 15-Jährigen zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und drei Monaten verurteilt. Wie Gerichtssprecher Matthias Wolff nach der Urteilsverkündung in dem nicht-öffentlichen Verfahren sagte, begründete das Gericht die für einen so jungen Täter ungewöhnlich hohe Strafe mit dessen Brutalität. Die Mutter des Mädchens zeigte sich dagegen schockiert, dass nicht das volle Strafmaß ausgeschöpft wurde. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der zum Tatzeitpunkt erst 14 Jahre alte Realschüler hatte das Mädchen laut Anklage im Mai im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz in ein Abrisshaus gelockt, dort geschlagen und anschließend erwürgt. Auslöser war ein Streit um einen MP-3-Player.

Mit seiner Entscheidung blieb das Gericht unter dem Antrag von Staatsanwalt Stephan Butzkies, der acht Jahre Haft gefordert hatte. Butzkies sagte, bei seinem Antrag habe das Geständnis des Jugendlichen eine Rolle gespielt. Er habe damit zur Aufarbeitung des Geschehens beigetragen, das zum Tod des 13-jährigen Mädchens führte. Das maximal mögliche Strafmaß von zehn Jahren sei wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten nicht voll ausgeschöpft worden. Die Verteidigung hatte auf eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren plädiert.

Der Junge hatte die Tat zu Beginn des unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozesses eingeräumt. Gab er zunächst lediglich die Schläge zu, so bestätigte er später die Angaben eines Gutachters, wonach er das Opfer auch mit Tritten gegen den Kopf schwer verletzte. Ein Sachverständiger attestierte dem Jungen eine Persönlichkeitsstörung. Er habe nie gelernt, mit Konflikten umzugehen und sei schnell aufbrausend.

Butzkies erklärte, dass Gericht habe sich nicht vollständig von der Schuldfähigkeit des Angeklagten überzeugen können. Der 15-Jährige habe das gesamte Verfahren verfolgt, ohne irgendwelche Emotionen zu zeigen. Auch den Spruch des Gerichts habe regungslos und ohne Emotionen aufgenommen.

Mutter des Opfers über Urteil schockiert

Opferbeistand Jürgen Trautmann erklärte, die Mutter des Opfers habe das Urteil unter Tränen zu Kenntnis genommen. Seine Mandantin sei schockiert und könne nicht verstehen, warum der Täter nicht mit dem vollen Strafmaß belegt worden sei. Trautmann sagte, es sei nicht vollständig geklärt worden, ob tatsächlich lediglich der Streit um den MP-3-Player Auslöser der Tat gewesen sei. Das Gericht habe nicht ausreichend geprüft, ob auch andere Motive eine Rolle gespielt hätten.

Gerichtssprecher Wolff zufolge erklärten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung noch im Gerichtssaal Rechtsmittelverzicht. Damit sei das Urteil rechtskräftig. Es sei dazu geraten worden, dass sich der 15-Jährige während seiner Haft einer Therapie unterziehe. Er solle die Zeit im Gefängnis nutzen, um das Geschehen aufzuarbeiten und die Verantwortung für den Tod des Mädchens zu übernehmen.

AP AP

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