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Studie: 15.000 Zwangsarbeiter in Deutschland

Sie arbeiten in der Sexindustrie, im Baugewerbe und in Privathaushalten - unfreiwillig und illegal. Nach einer aktuellen Studie gibt es weltweit mindestens 12,3 Millionen Zwangsarbeiter - davon 15.000 in Deutschland.

Etwa 15.000 Menschen werden nach einer Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Deutschland zur Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gezwungen. Weltweit seien mindestens 12,3 Millionen Männer, Frauen und Kinder von Zwangsarbeit betroffen, sagte ILO-Expertin Beate Andrees, die die Untersuchung am Mittwoch vorstellte. Es sei das erste Mal, dass die Unterorganisation der Vereinten Nationen für Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechte, Zahlen zu diesem Thema vorlege.

15.000 Fälle sind realistische Größenordnung

Die Schätzung für Deutschland basiere auf Statistiken der Polizei, sagte der Sozialwissenschaftler Norbert Cyrus, der die Untersuchung für Deutschland erarbeitet hatte. Er halte die angenommenen 15.000 Fälle für eine "sehr realistische Größenordnung". Die Opfer würden in die Ausbeutung hineingedrängt: Menschenhändler und Schleuser würden Männer und Frauen mit falschen Versprechungen nach Deutschland locken und sie unter Drohung und Gewalt in der Sexindustrie, aber auch im Baugewerbe, in der Landwirtschaft und in Privathaushalten einsetzen.

Dabei machten sich die Täter gezielt die Schwächen der geltenden Gesetze zu Nutze. Ausländer, die ohne Aufenthaltstitel in Deutschland lebten, begingen eine strafbare Handlung. Damit würden die Opfer von Menschenhändlern nicht ermutigt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Zur Bekämpfung der Zwangsarbeit müsse dem Opferschutz stärker Rechnung getragen werden.

Der umstrittene deutsche Visa-Erlass aus dem Jahre 2000 hat nach Ansicht von Cyrus nicht zu einer Ausweitung von Zwangsprostitution und Menschenhandel geführt. "Ich konnte nicht feststellen, dass es zu einer erhöhten Ausbeutung gekommen ist", sagte der Wissenschaftler.

Seiner Untersuchung nach seien Menschen, die Opfer von Ausbeutung würden, auf ganz verschiedene Weise - legal und illegal - nach Deutschland eingereist. "Es gibt keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Einreiseweg und Zwangsarbeit", sagte Cyrus. Hier müsse man ganz klar trennen. Die Union wirft der Regierung vor, durch eine Lockerung der Visa-Praxis ein Einfallstor für Schleuser geschaffen zu haben und somit Zwangsarbeit und Prostitution Vorschub geleistet zu haben.

AP / AP