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Stuttgarter Spionprozess Russisches Agentenpaar zu Haft verurteilt


Andreas und Heidrun Anschlag lebten zurückgezogen als Ingenieur und Hausfrau. Alles nur Tarnung. Sie waren russische Spione. Das Ehepaar flog auf und wurde zu langen Haftstrafen verurteilt.

Jahrelang lebten sie als biederes Ehepaar in Deutschland. Selbst die eigene Tochter ahnte nicht, dass hinter den Decknamen Heidrun und Andreas Anschlag zwei russische Agenten steckten. Wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart die beiden Spione jetzt zu mehreren Jahren Haft.

EU- und Nato-Papiere weitergereicht

Andreas Anschlag wurde als Hauptangeklagter zu sechseinhalb Jahren, seine Frau zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Beide haben österreichische Pässe. Ihre wahren Identitäten kennt selbst das Gericht nicht. Nach Überzeugung des Strafsenats hatten sie Hunderte Dokumente über EU und Nato an den russischen Geheimdienst SWR geliefert. Die Papiere stammten von einem Maulwurf aus dem niederländischen Außenministerium. Zuletzt wohnten die beiden in zwei Wohnungen im hessischen Marburg und im baden-württembergischen Balingen.

Als Österreicher südamerikanischer Herkunft hätten sich die Angeklagten unter den Aliasnamen seit Ende der 80er Jahre in Deutschland eine bürgerliche Existenz aufgebaut, heißt es in der Anklage. Während der Diplom-Ingenieur seiner Arbeit bei verschiedenen Firmen nachging, hütete seine Ehefrau das Haus. Beim SWR, einem Nachfolger des sowjetischen KGB, standen sie laut Anklage im Rang eines Abteilungsleiters beziehungsweise einer stellvertretenden Abteilungsleiterin. Im Zentrum ihres Interesses standen militärische und politische Angelegenheiten von Nato, EU und UN, aber auch strategische Erkenntnisse zum Verhältnis des Westens zu Ländern Osteuropas und Zentralasiens.

swd/DPA DPA

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