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Häusliche Gewalt in Südafrika: Misshandelte Frau von Polizei abgewiesen – weil die Beamten die Hunde ihres Freundes fürchten

Als eine Frau ihren Freund wegen häuslicher Gewalt anzeigen wollte, fand sie zunächst kein Gehör. Gewalt gegen Frauen ist in Südafrika ein gesellschaftliches Problem. Immer wieder kam es zuletzt zu Protesten.

Südafrika

Ein Polizeiauto in der Provinz südafrikanischen Provinz Gauteng, in der auch Pretoria liegt. (Symbolbild)

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Nahe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria wurde eine Frau offenbar in der vergangenen Woche von der Polizei abgewiesen, nachdem sie ihren Lebensgefährten wegen häuslicher Gewalt anzeigen wollte. Die Hauptstadtzeitung "Pretoria News", berichtete über den Fall.

Dem Blatt zufolge begab sich die Frau zu einem Polizeirevier in Mamelodi, einer Ortschaft im Osten Pretorias, um Anzeige zu erstatten. Dort hätte sie angegeben, dass Ihr Partner, der auch Vater ihres Kindes sei, sie bereits seit längerer Zeit misshandelt hätte. Zwei Wochen vor der Anzeige hätte er sie so schlimm zusammengeschlagen, dass sie sich zu der Anzeige entschlossen hätte. Mittlerweile hätte sie sich von dem Mann getrennt.

Polizisten hatten Angst  

Die Polizisten, teilten der Frau mit, dass sie ihr nicht helfen könnten. Der Grund: Sie hätten zu viel Angst vor dessen Hunden. Sie solle sich an eine andere Polizeiwache wenden.

Damit gab sich die Abgewiesene nicht zufrieden: Nach kurzer Zeit ging sie noch einmal zur selben Polizeistation und brachte ihr Anliegen bei einem leitenden Beamten erneut vor. Der zögerte nicht lange und fuhr mit weiteren Beamten, um den Verdächtigen festzunehmen. Dieser wird sich nun vor Gericht verantworten müssen. Im Anschluss entschuldigte sich der leitende Beamte bei der Frau für das Verhalten seiner Kollegen, dass er "schockierend" nannte. Es würde keine Rechtfertigung dafür geben, dass ihr nicht früher geholfen wurde. 

Gewalt gegen Frauen ist großes Problem in Südafrika

In Südafrika war es in den vergangenen Wochen wiederholt zu Protesten gegen Gewalt gegen Frauen gekommen. Im Land am Kap werden offiziellen Angaben zufolge täglich mindestens 137 Sexualdelikte begangen, zumeist gegen Frauen. Allein im August sollen 30 Frauen von ihren Ehemännern getötet worden sein. Ende August wurde eine 19-jährige Studentin in einer Postfiliale in Kapstadt vergewaltigt und zu Tode geprügelt. Wenige Tage später wurde eine 25-jährige Boxerin mutmaßlich von ihrem Lebensgefährten, einem Polizisten, erschossen. 

Südafrikas Präsident kündigte vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen eine Null-Toleranz-Vorgehensweise an: "Genug ist genug und wir werden handeln", sagte er Demonstranten in Kapstadt Anfang September. "Männer, die töten und vergewaltigen, müssen ihr Leben lang im Gefängnis bleiben."

Quellen: "IOL.co.za", "Pretoria News (via Pressreader)"

rös / mit Agentur
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