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Südafrika Mehr als 30 streikende Arbeiter bei Polizeieinsatz getötet


Sie wollten mehr Lohn und streikten. Nun sind über 30 Arbeiter einer südafrikanischen Platinmine tot. Die Polizei gibt an, aus "Selbstverteidung" geschossen zu haben.

Beim gewaltsamen Polizeieinsatz gegen streikende südafrikanische Bergleute sind mehr als 30 Menschen getötet worden. Vertreter der Gewerkschaften gaben die Zahl der Toten mit 36 an. Die Arbeiter hatten eine 200-prozentige Lohnerhöhung gefordert und am vergangenen Freitag die Arbeit niedergelegt. Polizeiminister Nathi Mthethwa bestätigte an diesem Freitag nach mehr als zwölfstündigem offiziellem Schweigen den Tod von mindestens 30 Arbeitern in einer Platinzeche des Lonmin-Konzerns 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Die Polizisten hatten am Vortag das Feuer auf etwa 3000 mit Macheten und Knüppeln bewaffnete Kumpel eröffnet, die sich weigerten, ihre Versammlung aufzulösen.

Mthethwa verteidigte den Einsatz, der in seiner Härte an das Apartheidsregime der weißen Minderheit erinnerte. Aus der Menge heraus sei auf die Beamten geschossen worden, die zurückgeschossen hätten. Es sei "legitime Selbstverteidigung" gewesen.

Polizeisprecher Dennis Adriao sagte, die streikenden Arbeiter hätten ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers, der ihnen im Falle der Fortsetzung des Streiks mit Entlassung gedroht hatte, zurückgewiesen und sich geweigert, auseinanderzugehen. Die mit Macheten, Eisenstangen und Schusswaffen bewaffneten Arbeiter hätten die Polizei angegriffen, der daher keine Wahl geblieben sei, als selbst das Feuer zu eröffnen, sagte Adriao.

"Für Streiks gibt es Gesetze"

Polizeiminister Mthethwa sagte im Radio, die mit Schusswaffen bewaffnete Menge sei auf die Polizei vorgerückt, als diese eine Absperrung mit Stacheldraht errichtete. Für Streiks, Märsche und Demonstrationen gebe es Gesetze, sagte Mthethwa. Illegale Streiks wie dieser führten zu einer "schrecklichen Situation für alle in der Gemeinde". Mthethwa wies darauf hin, dass die Polizei über drei Tage mit den Streikenden verhandelt habe.

"Wir sind geschockt und bestürzt über diese sinnlose Gewalt", sagte Präsident Jacob Zuma. Örtliche Medien sprachen am Freitag vom "Marikana Massaker". Hunderte schwer bewaffnete Polizisten sicherten am Freitag das Zechengelände ab. Zu ihrer Unterstützung waren gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz und kreisten Hubschrauber am Himmel. Mitarbeiter der Kriminalpolizei suchten am Tatort nach Beweismitteln und sammelten blutbeschmierte Macheten und Speere ein.

Aktienkurs stürzte um mehr als 13 Prozent ein

Der in London ansässige Lonmin-Konzern stellte in seinen Platinwerken, die zwölf Prozent zur weltweiten Förderung des Edelmetalls beitragen, die Produktion ein. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte seit der Eskalation eines Streits zweier rivalisierender Gewerkschaften um mehr als 13 Prozent ab.

Die streikenden Arbeiter gehören einer neuen Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündet ist. Bereits vor dem tödlichen Einsatz am Donnerstag waren bei Kämpfen zwischen den verfeindeten Arbeiterorganisationen zehn Menschen, darunter zwei Polizisten zu Tode gekommen.

DPA DPA

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