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Südkorea 20 Jahre unschuldig im Gefängnis – Polizei entschuldigt sich für erzwungenes Geständnis

Polizeichef Bae Yong-ju verbeugt und entschuldigt sich für die missratenen, jahrzehntelange Mordermittlungen
Polizeichef Bae Yong-ju verbeugt und entschuldigt sich für die missratenen, jahrzehntelange Mordermittlungen, die einen Unschuldigen 20 Jahre ins Gefängnis schickten
© YONHAP / AFP
Ein Mann verbrachte 20 Jahre seines Lebens verbrachte in Südkorea unschuldig hinter Gittern, weil er eine 13-Jährige vergewaltigt und ermordet haben sollte. Nun hat sich die Polizei bei ihm entschuldigt.

Eine Polizeibehörde in Südkorea hat zugegeben, dass sie in den späten 80er-Jahren einen Mann mit Gewalt zu einem Geständnis gezwungen hat. Für die Ermordung und Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchen verbrachte der Mann schließlich 20 Jahre im Gefängnis, ehe er 2009 auf Bewährung entlassen wurde. Der Fall war Teil einer von 1986 zu 1991 andauernden Mordserie, die erst vergangenes Jahr durch einen DNA-Beweis aufgeklärt werden konnte.

Ermittler waren damals davon ausgegangen, dass der von der Polizei lediglich "Yoon" genannte Mann ein Trittbrettfahrer gewesen sei und sich von den sogenannten Hwaseong-Morden hatte inspirieren lassen. Seine Verurteilung 1989 war die einzige in diesem in Südkorea sehr bekannten Fall. An den Ermittlungen hatte sich über die Jahre eine Rekordzahl an Polizeibeamten beteiligt, mehr als 21.000 Menschen wurden überprüft und rund 20.000 Fingerabdrücke abgeglichen. Bei den Opfern handelte es sich um Frauen verschiedenen Alters – von Jugendlichen bis hin zu einer Frau um die 70 Jahre. 

DNA-Spuren zeigten Polizei tatsächlichen Killer

Erst im vergangenen Jahr brachten DNA-Spuren die Polizei auf die Fährte eines anderen 57-jährigen Mannes, der letztlich alle zehn Hwaseong-Morde, vier weitere und insgesamt 34 Vergewaltigungen gestand. Da die Morde nach südkoreanischem Recht verjährt waren, konnte er dafür allerdings nicht mehr belangt werden. Für die Vergewaltigung und Ermordung seiner Schwägerin im Jahr 1994 sitzt der Mann allerdings ohnehin eine lebenslange Freiheitsstrafe ab (der stern berichtete).

Der Polizeichef der Gyeonggi-do-Provinz entschuldigte sich nun offiziell bei dem nur als "Yoon" identifizierten Mann, der lange unschuldig im Gefängnis gesessen hatte. Man habe ihn damals körperlich attackiert und zu einem falschen Geständnis gezwungen. Ein offizielles Protokoll sei zudem gefälscht worden, um den Eindruck zu erwecken, dass ein Zeuge bei der Befragung anwesend gewesen sei. "Wir verbeugen uns und bitten um Verzeihung  bei allen Opfern der Verbrechen, deren Familien sowie den Opfern der polizeilichen Ermittlungen, inklusive Yoon", so der Polizeichef. Ihm zufolge hätten auch andere unter den fehlerhaften und teilweise rechtswidrigen Ermittlungen zu den Hwaseong-Morden gelitten.

Fall des Unschuldigen soll neu aufgerollt werden

Medienberichten zufolge sollen sich mindestens vier Verdächtige in den 90er-Jahren das Leben genommen haben, nachdem sie von der Polizei mit den Morden in Verbindung gebracht und teilweise misshandelt worden seien.

Der aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes lediglich Yoon genannte Mann begrüßte die Entschuldigung gegenüber CNN. Er sei erleichtert, dass die Polizei ihn nicht mehr für einen Mörder iFall halte. Sein Prozess solle in naher Zukunft neu aufgerollt werden. Sollte er dann offiziell nachträglich freigesprochen werden, könnte er auf Schadenersatz für seine 20 Jahre im Gefängnis klagen.

Quellen: CNN / "Jakarta Post"

fin

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