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Südkorea: Arzt nimmt Abtreibung bei der falschen Frau vor

In einer Klinik in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sollte eine schwangere Frau bloß eine Vitaminspritze erhalten. Stattdessen wurde bei ihr Abtreibung vorgenommen, ohne dass sie es überhaupt wusste.

Arzt nimmt Abtreibung bei der falschen Frau vor

In Südkorea haben ein Arzt und eine Krankenschwester gestanden, irrtümlicherweise eine Abtreibung vorgenommen zu haben (Symbolbild)

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Die südkoreanische Polizei hat Ermittlungen gegen einen Arzt aufgenommen, der offenbar versehentlich eine Abtreibung bei der falschen Patientin vorgenommen hat. Den Angaben der Behörde zufolge, wandte sich am 7. August eine in der sechsten Woche schwangere Frau an eine Klinik im Bezirk Gangseo in der Landeshauptstadt Seoul. Wie die südkoreanische Zeitung "The Korea Herald" meldet, sollte die Patientin lediglich eine Vitaminspritze erhalten. Stattdessen habe ihr eine Krankenschwester ein Anästhesiepräparat verabreicht und der Arzt die Abtreibung durchgeführt, ohne die Identität der Frau zu überprüfen. Der Patientin sei nicht bewusst gewesen, welcher Eingriff bei ihr vorgenommen wurde, berichtet "The Korea Herald".

"Der Arzt und die Krankenschwester haben ihre Schuld gestanden", sagte ein Polizeibeamter gegenüber CNN. Der Fall werde demnächst der Staatsanwaltschaft übergeben. Den beiden wird fahrlässige Körperverletzung zu Lasten gelegt. 

Abtreibungen sollen legalisiert werden 

Südkorea hat im April dieses Jahres die Legalisierung von Abtreibungen eingeleitet. Das Verfassungsgericht des Landes entschied, dass der Gesetzgeber die bestehenden Gesetze bis zum 31. Dezember 2020 überarbeiten muss. Das Richtergremium urteilte, dass die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen die Entscheidungsfreiheit von Frauen verletzt habe.

Nach den geltenden Gesetzen bleibt die Praxis jedoch illegal. Ärzten drohen für durchgeführte Abtreibungen bis zu zwei Jahren Gefängnis. Schwangere Frauen können mit einem Jahr Haft oder einer Geldstrafe von 1500 Euro betraft werden. In Ausnahmefällen werden aber Abtreibungen erlaubt. Dies kann der Fall sein, wenn Eltern Erbkrankheiten haben, die Schwangerschaft auf Vergewaltigung oder Inzest zurückzuführen ist oder der Fötus das Leben der Mutter bedroht.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Landes wurden im vergangenen Jahr in Südkorea schätzungsweise 50.000 Abtreibungen durchgeführt. Die Dunkelziffer wird jedoch viel höher sein. 

Quellen: "The Korea Herald" / CNN

ivi