Sürücüs Ex-Mann "Ich werde um mein Kind kämpfen"


Nach dem sogenannten Ehrenmord-Prozess meldet sich der Ex-Mann der erschossenen Hatun Sürücü erstmals zu Wort. Im stern TV-Interview sagt Ismail Aslan: "Ich will unseren Sohn in die Türkei holen."

Wie war Ihre Ehe mit Hatun Sürücü?

Nach unserer Heirat 1998 hatten wir in der Türkei eine schöne Zeit. Aber während der Verlobung gab es schon Probleme zwischen mir und der Mutter von Hatun: Wir hatten uns überhaupt nicht verstanden. Sie war eine Person, die sich überall eingemischte. Mit Hatuns Vater, meinem Onkel, hatte ich keine Probleme.

Was war der Grund für die Trennung?

Hatun ist für die Geburt nach Deutschland gefahren, weil sie deutsche Staatsbürgerin war und das besser für das Kind war. Damals hat sie schon mit ihren Eltern gestritten, weil sie Probleme mit mir hatten. Dann war die Geburt von Can, unserem Sohn. Hatun schickte mir Bilder und rief an, erzählte von der guten Nachricht. Aber ihre Mutter meinte, Hatun würde erst zwei Monate später zurück in die Türkei kommen. Darüber regte ich mich auf. Hatun kam nicht.

Warum nicht?

Weil ihre Mutter das nicht wollte.

In den Medien war von Gewalt und Schlägen in der Ehe die Rede.

Ich habe Hatun wirklich geliebt. Schläge, Streit und Zwangsehe: So etwas gab es nicht. Das ist alles gelogen. Jeder in unserer Umgebung wusste, wie sehr sie mich liebte und ich sie liebte.

Warum hat Hatun dann davon erzählt?

Ich glaube nicht, dass sie so etwas gesagt hat.

Wie hat sich dann Hatun gegenüber ihrer Mutter verhalten?

Nachdem Hatun alle Verbindungen mit mir abgebrochen hatte, sagte ihre Mutter, sie solle wieder heiraten. Hatun wurde wütend, ging auf ihre Mutter los, nahm ein Messer aus der Küche. Die Schwester rief die Polizei. Wohl wegen dieses Streits ging Hatun ins Frauenhaus.

Was wissen Sie über ihr Leben danach?

Hatun war in Deutschland glücklich. Aber irgendwann kam ihr Bruder Mutlu in der Türkei. Er sagte zu mir: "Hatun ist nicht die, die du kennst. Sie ist in einer sehr schlimmen Lage. Die deutsche Lebensart kennst du doch - sie hat ihre Lebensweise den Deutschen angeglichen. Sie hat die Kleidung abgelegt und sich freigemacht. Wir können es nicht verhindern."

Was hatten Sie da gedacht?

Wenn der Mensch ehrenhaft ist, dann ist das Tragen von offenen Haaren und seine Art, sich anzuziehen, überhaupt nicht mehr wichtig. Das habe ich Hatun auch gesagt.

Wie haben Sie vom Tod Hatuns erfahren?

Die Polizei hat mich informiert. Ich war unter Schock. Sie war meine Frau, wir hatten ein Kind. Ich weiß nicht, wie ihr Leben in Deutschland war und warum sie erschossen wurde. Egal, was passiert war: Das hatte sie nicht verdient, dieses Verbrechen, mitten auf der Straße, mit einer Kugel im Kopf. Und wenn man von Rettung der Ehre spricht: Das geht nicht mit Waffen. Was ich gehört habe, ist es so, dass Hatuns Lebensweise auch meiner zuwider lief. Aber das kann man nicht mit einer Waffe bereinigen.

Nun wollen Sie das Sorgerecht für Ihren Sohn?

Ich werde alles unternehmen, um mein Kind zu bekommen, ich werde kämpfen. Can weiß über alles Bescheid, wir haben miteinander telefoniert. Er weiß, dass sein Vater in der Türkei ist.

Aber bislang hatten Sie sich nicht um das Sorgerecht gekümmert.

Nein, ich hatte mich nicht darum bemüht, weil ich das Gerichtsurteil abwarten wollte.

Interview: Ulrike Beseke


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