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Suizidgefahr: Strauss-Kahn steht unter Sonderbewachung

Alle 15 bis 30 Minuten Zellenkontrolle und Schuhe ohne Schnürsenkel: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn steht einem US-Sender zufolge unter besonderer Überwachung zur Verhinderung eines Selbstmordes.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird verdächtigt, ein Zimmermädchen sexuell belästigt zu haben

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird verdächtigt, ein Zimmermädchen sexuell belästigt zu haben

Der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung inhaftierte Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, ist offenbar unter besondere Überwachung zur Verhinderung eines Selbstmordes gestellt worden. Die Verwaltung der Haftanstalt auf der Gefängnisinsel Rikers Island in New York habe die Maßnahme auf Anraten von Ärzten angeordnet, berichtete der US-Fernsehsender NBC auf seiner Internetseite unter Berufung auf mit dem Fall Vertraute. Demnach wird die Zelle Strauss-Kahns alle 15 bis 30 Minuten in Augenschein genommen. Der Inhaftierte trage Gefängniskleidung und Schuhe ohne Schnürsenkel.

Ein Sprecher der New Yorker Strafvollzugsverwaltung teilte der Nachrichtenagentur AFP auf Anfrage mit, "jeder Gefangene" werde daraufhin untersucht, "ob er sich oder Anderen etwas antun könnte". Informationen über den Gesundheitszustand von Inhaftierten würden jedoch "vertraulich" behandelt.

Zimmermädchen steht laut Anwalt unter Schock

Sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen, will das mutmaßlich von Strauss-Kahn angegriffene Zimmermädchen gegen den IWF-Chef aussagen. Wenn seine Mandantin aufgefordert werde, sei sie bereit in den Zeugenstand zu treten, teilte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro dem Sender CNN mit. Derzeit arbeite sie bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. Die 32-Jährige stehe allerdings unter "außerordentlichem" Schock. Seit dem Vorfall habe sie weder nach Hause noch zur Arbeit gehen können. "Ihre Welt hat sich total auf den Kopf gestellt", sagte Shapiro. "Sie hat große Angst um ihre Zukunft."

Das mutmaßliche Opfer ist laut CNN eine alleinstehende Mutter, die vor ein paar Jahren aus dem westafrikanischen Guinea in die USA eingewandert sei. Sie arbeite seit mindestens zwei Jahren in dem Sofitel am New Yorker Times Square, in dem sich der Angriff abgespielt haben soll, hieß es.

Washington drängt auf Rückzug Strauss-Kahns

Die US-Regierung fordert unterdessen den Rückzug Strauss-Kahns von der Spitze des Währungsfonds. "Er ist offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten", sagte Finanzminister Timothy Geithner nach Angaben der Nachrichtenagentur Dow Jones. Der IWF müsse einen Plan erarbeiten, um eine dauerhafte Führung des Fonds sicherzustellen. Die USA sind das wichtigste Geberland des IWF und haben daher großen Einfluss auf die Entscheidungen des Fonds. Während die Europäer traditionell das Amt des Direktors für sich in Anspruch nehmen, besetzt Washington den Stellvertreterposten.

Der Währungsfonds teilte mit, seit Strauss-Kahns Festnahme keinen Kontakt zu ihm zu haben. "Es wird aber wichtig sein, zu gegebener Zeit mit ihm in Kontakt zu treten", erklärte IWF-Sprecher William Murray in einer Mitteilung. Zu Personalspekulationen werde sich der Fonds nicht äußern. "Wir beobachten die Entwicklung weiter", so Murray. Zwischenzeitlich werde der Fonds von Strauss-Kahns Stellvertreter John Lipsky geleitet.

Strauss-Kahn soll am Samstag in einem New Yorker Hotel versucht haben, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. Er wurde daraufhin festgenommen. Eine Haftrichterin lehnte am Montag eine Entlassung auf Kaution ab, der Franzose wurde auf die Gefängnisinsel Rikers Island gebracht. Eine sogenannte Grand Jury muss nun bis Freitag über eine formelle Anklage des 62-Jährigen entscheiden. Bei einer Verurteilung drohen dem IWF-Chef 25 Jahre Haft.

mad/AFP/DPA / DPA