Supertanker "Sirius Star" Piraten setzen Reederei Ultimatum


Millionenpoker am Horn von Afrika: Die Entführer des Riesentankers "Sirius Star" haben bei den Lösegeldverhandlungen offenbar den Druck verstärkt. Sollten sie nicht innerhalb von zehn Tagen die geforderten 25 Millionen US-Dollar erhalten, hätte das für die Schiffseigner "verheerende Folgen".

Somalische Piraten und Unterhändler aus Saudi-Arabien haben am Donnerstag weiter über das Lösegeld für den gekaperten Supertanker "Sirius Star" verhandelt. Die Seeräuber fordern 25 Millionen Dollar (20 Millionen Euro) für die Freilassung der 25 Besatzungsmitglieder und die Freigabe des mit über 300 Millionen Liter Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar beladenen Tankers. Wie der arabische Sender Al-Dschasira berichtete, setzten die Piraten für die Übergabe des Lösegeldes eine Frist von zehn Tagen, ansonsten hätten die Schiffseigner "verheerende Folgen" zu erwarten.

"Ein Staat verhandelt nicht gerne mit Terroristen oder Entführern", sagte der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal. "Aber die endgültige Entscheidung liegt bei den Schiffseignern." Faisal bestätigte, dass die Verhandlungen andauerten. Großbritanniens Außenminister David Miliband sprach sich in London gegen die Zahlung von Lösegeld für den gekaperten Supertanker aus. Dadurch würden Piraten nur zu weiteren Überfällen ermutigt. "Es ist sehr wichtig, dass die internationale Gemeinschaft standhaft gegenüber der Plage von Geiselnahmen bleibt, egal ob es sich um Geiselnahmen auf Schiffen oder in Flugzeugen handelt", mahnte Miliband. Am Golf von Aden gebe es ein grundlegendes Problem. Daher sei es richtig, europäische Marinekräfte dorthin zu entsenden.

Ein Kommandeur der jemenitischen Küstenwache erklärte, die Seeräuber seien zum Teil ehemalige Soldaten der somalischen Marine. Die Zunahme der Überfälle im Golf von Aden sei darauf zurückzuführen, dass die Piraten einen Teil der zuvor erpressten Lösegelder für den Kauf moderner Schnellboote und Waffen verwendet haben, mit denen sie auch größere Schiffe angreifen können, sagte Schadschallah al-Mahdi der arabischen Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat".

Russland kündigte unterdessen die Entsendung weiterer Kriegsschiffe in das von Piraterie betroffene Seegebiet an. "Das erfordert die Lage, die sich am Horn von Afrika und im Golf von Aden durch die Aktivitäten der Piraten akut zugespitzt hat", sagte Marine-Befehlshaber Wladimir Wyssozki in Moskau. Ende September hatte die russische Militärführung das Küstenwachschiff "Neustraschimy" zur somalischen Küste entsandt. Dies geschah, nachdem Piraten einen ukrainischen Frachter mit 30 Panzern an Bord gekapert hatten. Das Schiff befindet sich weiter in der Gewalt der Seeräuber. Russland erwägt derzeit nach einem Zeitungsbericht eine kostenpflichtige "Vermietung" seiner Kriegsschiffe als Geleitschutz für ausländische Frachter in der Konfliktregion.

DPA DPA

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