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Tagelang in Haft vergessen: Entschädigung macht Studenten zum Millionär

Ohne Wasser oder Nahrung haben US-Drogenfahnder einen Studenten in einer Zelle vergessen. An den Folgen dieses Erlebnisses leidet der junge Mann noch heute. Doch eine Entschädigung dürfte ihn trösten.

Die Zelle ist ein schmaler, dunkler Schlauch. Drei Meter lang, anderthalb Meter breit, kein Fenster, keine Toilette. Daniel Chong schrie und trat gegen die Tür, aber niemand hörte ihn. Er stapelte seine Schuhe und Kleidungsstücke aufeinander, um mit seinen gefesselten Händen eine Feuerlöschanlage an der Decke zu erreichen, aber ohne Erfolg. Um zu überleben, trank der US-Student seinen eigenen Urin. Bald begann er zu halluzinieren. Schließlich war Chong sicher, dass er sterben würde. Er biss in seine Brille und versuchte, sich mit den Glasscherben eine Abschiedsbotschaft an seine Mutter in den Arm zu ritzen: "Sorry, Mama."

Fünf Tage lang harrte Chong in der Zelle im Gebäude der US-Drogenbehörde DEA im kalifornischen San Diego aus - die Aufseher vhatten ihn einfach vergessen. Ein unvorstellbares Martyrium, das im vergangenen Jahr weltweit Schlagzeilen machte, und für das der bis heute stark traumatisierte 25-Jährige nun entschädigt wird: 4,1 Millionen Dollar (rund 3,09 Millionen Euro) muss die DEA dem Studenten zahlen, wie seine Anwälte Medienberichten zufolge am Dienstag (Ortszeit) in San Diego mitteilten.

Drogenrazzia auf einer Party

Schadenersatzklagen in Millionenhöhe sind in den USA üblich, das Geld wird vom Justizsystem auch als eine Art Strafe angesehen. Erst vor rund einem Monat waren dem Opfer einer Kneipenschlägerei für seine schweren Hirnschäden 58 Millionen Dollar (rund 44,5 Millionen Euro) Entschädigung zuerkannt worden.

Eigentlich wollte Chong im April 2012 nur auf eine Party gehen. Aber der Ingenieursstudent geriet in eine Drogenrazzia und wurde gemeinsam mit acht weiteren Verdächtigen in Gewahrsam genommen. Ecstasypillen und andere Drogen sowie Waffen wurden in dem Haus der Party gefunden. Chong beteuert bis heute, dass er damit nichts zu tun hatte, und wurde deswegen auch nie belangt. Die Beamten hätten ihn kurz befragt und ihm dann gesagt, er werde freigelassen, er müsse nur noch kurz warten, dann käme ihn jemand abholen.

Seltene Entschuldigung und neue Regeln

Doch dann geschah, was die Behörde später als "versehentlich" und Chongs Anwältin Julia Yoo als einen "Fehler von unglaublichen und unvorstellbaren Ausmaßen" bezeichnete: Niemand kam den Studenten abholen. Erst fünf Tage später öffnete ein Aufseher die Stahltür zu der Befragungszelle und fand Chong, immer noch in Handschellen, um fast acht Kilo abgemagert und in seinen eigenen Exkrementen liegend. Aber er lebte. "Er ist der stärkste Mensch, den ich je gesehen habe", sagte seine Anwältin Yoo dem US-Nachrichtensender CNN. Mehrere Tage musste Chong auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden. Inzwischen hat er sein Studium wieder aufgenommen.

Die als äußerst ruppig geltende Drogenbehörde gab damals eine seltene Entschuldigung heraus: "Ich entschuldige mich zutiefst bei dem jungen Mann und möchte sagen, dass das kein Beispiel war für die hohen Standards, die ich meinen Mitarbeitern vorgebe", sagte der zuständige DEA-Chef in San Diego, William Sherman. Eins zumindest habe der Fall Chong geändert, sagte seine Anwältin Yoo. "Es war einer der Hauptgründe, dass die DEA jetzt eine neue Regel hat, nach der jeder Aufseher täglich nach dem Wohlergehen der Festgehaltenen sehen muss."

tkr/Barbara Munker und Christina Horsten/DPA / DPA
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