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Gewaltsamer Tod von fünf Kindern Kriminalexperte: "Jede Tötung ein neuer Entschluss. Habe das so noch nie erlebt"

Sehen Sie im Video: Fünf tote Kinder in Solingen – Mutter unter Tatverdacht.




Solingen, 03.09.20: In Solingen sind fünf tote Kinder gefunden worden. Das bestätigte die Polizei in Wuppertal am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Tatverdächtig ist die 27-jährige Mutter. Sie soll sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof auf die Gleise begeben, aber verletzt überlebt haben. Die zuständige Polizei in Wuppertal bestätigte das am Donnerstag zunächst nicht. Zuvor hatte «Bild.de» berichtet. Der Tatort liegt im Solinger Stadtteil Hasseldelle. Die Leichen wurden in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus entdeckt. Nach dpa-Informationen hatte die Großmutter die Polizei kurz vor 14 Uhr informiert. Vor dem Haus waren am Nachmittag zahlreiche Polizei- und Rettungswagen zu sehen. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.
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Wurden Warnzeichen auf die erschütternde Tat von Solingen übersehen? Der Profiler Axel Petermann hält das für durchaus wahrscheinlich. Nicht zuletzt, weil durch Corona-bedingte Schließungen von Schulen und Kitas Kontrollmechanismen ausgefallen seien.

Der gewaltsame Tod von fünf Kindern in Solingen deutet nach Ansicht des Kriminalexperten Axel Petermann auf Hilf- und Perspektivlosigkeit der Mutter hin. Mögliche Warnzeichen für die Tat seien zudem womöglich wegen der Coronavirus-Pandemie nicht rechtzeitig erkannt worden, sagte Petermann der Deutschen Presse-Agentur. So sei beispielsweise denkbar, dass durch das Ausfallen von Schulunterricht und Kindergartenbetreuung Mechanismen nicht greifen konnten, die sonst Hilfe oder Unterstützung ermöglicht hätten.

Die Kinder im Alter von einem bis acht Jahren waren am Donnerstag leblos in einer Wohnung in der nordrhein-westfälischen Stadt entdeckt worden. Die 27 Jahre alte Mutter steht unter Tatverdacht. Sie versuchte sich nach Angaben der Polizei am Bahnhof in Düsseldorf mit dem Sprung vor einen Zug das Leben zu nehmen. Sie überlebte schwer verletzt. Auch ein elfjähriger Sohn der Frau überlebte. 

Solingen: "Für jede Tötung ein neuer Entschluss"

Dass bei dem Fall in Solingen eine Frau unter Tatverdacht stehe, sei außergewöhnlich, sagte Petermann, der Buchautor und Fallanalytiker ist. "Diese Gewalt bedeutet ja auch für jede einzelne Tötung einen neuen Entschluss." Die Konsequenz des Tatgeschehens sei für Mütter ungewöhnlich. "Ich zumindest habe das so nie erlebt", so der Profiler. Häufiger seien es Männer, die im Rahmen eines erweiterten Suizids die eigenen Kinder töteten. Oft stehe dabei ein Streit um das Sorge- oder Besuchsrecht mit der Ex-Partnerin.  

Bei Männern komme als Motiv auch häufig eine Aggression gegen die Mutter der Kinder infrage. Die solle durch das Töten der gemeinsamen Kinder dann bestraft werden. Das hält Petermann bei einer Frau aber für unwahrscheinlich. Eher glaubt er, dass Mütter die eigene Perspektivlosigkeit auf die Kinder übertragen und ihnen das Leid ersparen wollen, das sie mit dem eigenen Leben verbinden. 

Wurde die Mutter mit Erziehung allein gelassen?

Das Einkommen der Familie sei für eine solche Tat wohl weniger entscheidend. Das seien Taten, "die sich doch durch alle Gesellschaftsschichten ziehen können", sagte Petermann. Es komme darauf an, inwieweit Menschen in ein soziales Netzwerk eingebunden seien und Ansprechpartner hätten. Ihn interessiere beispielsweise die Frage, ob die Frau von dem oder den Vätern bei der Erziehung der Kinder alleine gelassen wurde.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht auch die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 111

dho DPA

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