Taximord schockt Fahrer "Die Angst fährt immer mit"


Die Taxifahrer am Bodensee stehen unter Schock: Eine Kollegin wurde ermordet, eine andere vergewaltigt und schwer verletzt. Die Kollegen einer am Mittwoch ermordeten Taxifahrerin sind sich einig, dass es absoluten Sicherheit in ihrem Beruf nicht geben kann.

"In diesem Beruf darf man keine Angst haben." Die 52 Jahre alte Taxifahrerin in Konstanz, die das sagt, ist schon seit 30 Jahren in der Branche tätig. Doch am Mittwoch steht sie entsetzt vor ihrem Wagen am Bahnhof und scheint sich selbst Mut zuzusprechen. Der Mord an einer Kollegin auf der gegenüberliegenden Bodenseeseite im Winzerdörfchen Hagnau sorgt für Angst und Schrecken. Der Mörder läuft noch frei herum.

Die 52-Jährige, die ihren Namen nicht nennen will, vertraut bisher auf ihre Menschenkenntnis: "Wenn mir jemand unheimlich ist, komplimentiere ich ihn unter Vorwänden wieder aus dem Wagen." Allerdings fahre sie grundsätzlich nicht nachts - und schon steigt sie wieder in ihren Wagen für die nächste Tour. Die Schicht abbrechen, wie es ein anderes Taxiunternehmen seinen Mitarbeiterinnen ermöglicht hat, will sie auf keinen Fall.

Unterdessen läuft die Fahndung nach dem Unbekannten auf Hochtouren. Der auf ein Alter von 25 bis 30 geschätzte Mann ist verdächtig, bereits am Dienstag eine andere Taxifahrerin in Singen (Kreis Konstanz) schwer verletzt und vergewaltigt zu haben. Zeitweise konzentriert sich die Suche aufgrund von Hinweisen auf das Stadtgebiet von Friedrichshafen, wie ein Polizeisprecher berichtet. In der Luft knattern zwei Hubschrauber, mehrere Dutzend Beamte kontrollieren mit Hochdruck und Akribie Autofahrer sowie Fußgänger und Radfahrer.

Die 32-jährige Taxifahrerin war am Mittwoch in Hagnau durch Stiche in den Hals getötet worden. Zeugen fanden sie zusammengesackt und blutüberströmt in ihrem Wagen auf dem Parkplatz am belebten Strandbad. Mit einem Messer hatte der Täter auch die 44-jährige Fahrerin in Singen verletzt. Er hatte ihr die Waffe in den Hals gestoßen.

Gegen ein solches Verbrechen sei niemand in der Branche gefeit, meinen zwei Fahrer am Konstanzer Bahnhofs-Taxistand. "Das kann jedem passieren", sagt Andreas Bauer. "Die Angst fährt immer mit." Sein Kollege Antonio Cinque pflichtet ihm bei und bedauert, dass die Trennscheiben aus Glas zwischen Fond und Fahrer vor Jahrzehnten wegen Verletzungsgefahr abgeschafft wurden. Sicherheit biete nur ein Alarmknopf, der mit rotem Blinken auf dem Taxischild am Dach einen Überfall anzeigt.

"Aber den muss man erstmal drücken können", gibt Cinque zu bedenken. Klar achteten alle Kollegen aufeinander. Aber da die Zentralen mancher Taxiunternehmen aus Kostengründen nicht durchgehend besetzt sind, seien die einzelnen Angestellten mitunter aufs Handy angewiesen. "Wegen der Funklöcher kann es dann passieren, dass man nicht weiß, wo ein Kollege steckt und ob ihm etwas passiert ist."

Gisela Mackensen, dpa DPA

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