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Terror-Prozess: Motassadeq drohen Schadenersatzklagen

60 Tage hat der Terrorverdächtige Mounir al Motassadeq Zeit, sich gegen Schadenersatzklagen aus New York zu wehren. Angehörige der Terroropfer des 11. September haben entsprechende Klagen eingereicht.

Dem als Terrorhelfer angeklagten Mounir al Motassadeq drohen Schadenersatzforderungen von Angehörigen der Opfer des 11. September 2001. Nebenklägeranwalt Andreas Schulz teilte am Mittwoch vor dem Hamburger Oberlandesgericht (OLG) mit, dass mehrere Familien bei einem New Yorker Gericht eine Schadenersatzklage gegen den Angeklagten eingereicht haben.

Zivilrechtliche Ansprüche auch in Deutschland möglich

Der Verteidiger kündigte zugleich an, im Falle eines Hamburger Freispruchs auch in Deutschland zivilrechtliche Ansprüche gegen den Marokkaner geltend zu machen. Motassadeqs Anwalt Udo Jacob sagte, sein Mandant sehe den Forderungen gelassen entgegen. Die eingereichte Klage sei unbegründet.

Schulz gab dem OLG eine öffentliche Zustellung der New Yorker Klage zur Kenntnis. Demnach müssen sich Motassadeq und weitere beklagte Terrorverdächtige binnen 60 Tagen in New York gegen die Schadenersatzansprüche zur Wehr setzen. "Läuft die Frist ab, wird er verurteilt", sagte Schulz. Da der Haftbefehl gegen den Motassadeq nur außer Vollzug gesetzt wurde, darf der Marokkaner Hamburg nicht verlassen.

Nach Schulz Einschätzung könnte der Angeklagte bei einem Freispruch 30.000 bis 50.000 Euro als Entschädigung für die Haft beziehungsweise für den Verdienstausfall während des Verfahrens zugesprochen bekommen. Dieses Geld werde er gegebenenfalls für seine Mandanten zurückholen, sagte der Nebenklägeranwalt. Bereits jetzt laufe ein erstes Zivilverfahren gegen Motassadeq und den ebenfalls Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg.

Weiterhin berichtete eine Kriminalbeamtin als Zeugin, dass bei der Durchsuchung von Motassadeqs Keller kurz nach den Anschlägen Disketten mit Teilen von Terrorhandbüchern gefunden worden seien. Die Datenträger, die laut Anklägern etwa Anleitungen zum Bombenbau enthielten, hätten sich in Kisten befunden, die der Angeklagte für den Terrorpiloten Mohammed Atta aufbewahrt habe. Die Datei mit den Anleitungen für Terroristen sei vermutlich von Atta gelöscht, konnte mit Hilfe einer Spezialsoftware aber rekonstruiert worden.

Motassadeq war 2003 vom OLG wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf.