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Terror-Prozess: Sauerland-Gruppe droht jahrelange Haft

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben die Verhandlungen gegen die sogenannte Sauerland-Gruppe begonnen. Die zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, der Deutsch-Türke Attila Selek und der Türke Adem Yilmaz werden beschuldigt, Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben.

Mit einem massiven Polizeiaufgebot ist heute der seit langem größte Prozess gegen mutmaßliche Terroristen in Deutschland gestartet. Die vier islamistischen Angeklagten der sogenannten Sauerland-Gruppe müssen sich vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf wegen der Planung verheerender Anschläge und der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung verantworten.

Zum Auftakt des Prozesses warf ein Vertreter der Bundesanwaltschaft den vier Männern vor, Mitglieder der Islamischen Dschihad-Union (IJU) zu sein, die "ihre Kreise im Sinne des globalen Dschihad ausgeweitet" habe. Die Mitglieder der IJU verstünden sich als "Mudschahedin", die im Kampf gegen Ungläubige ihr Leben als Märtyrer einsetzten. Die IJU habe sich zunächst auf Anschläge in Usbekistan konzentriert, dann aber ihr Wirkungsfeld auch auf Europa und auf Afghanistan ausgeweitet. Vor allem Gaststätten, Pubs, Diskotheken und Flughäfen habe die Sauerland-Gruppe ins Visier genommen.

Abgrundtiefer Hass auf die USA

"Die Angeklagten waren getrieben von dem Willen, auch in Deutschland die Feinde des Islam - vornehmlich US-Bürger - zu vernichten und dabei das Ausmaß der Anschläge vom 11. September zu erreichen", sagte ein Bundesanwalt. Die Mitglieder der Sauerland-Gruppe seien erfüllt gewesen von einem "abgrundtiefen Hass auf die USA als größtem Feind des Islam". Doch auch deutsche Opfer seien ihnen willkommen gewesen, ergänzte ein weitere Vertreter der Bundesanwaltschaft. Denn die Angeklagten hätten ein "medienwirksames Zeichen des Terrors setzen wollen".

Im Hochsicherheitstrakt des streng bewachten Gerichts sitzen die Deutschen Fritz Gelowicz, Daniel Schneider, der Deutsch-Türke Atilla Selek sowie der Türke Adem Yilmaz hinter schusssicheren Scheiben. Yilmaz weigerte sich zu Beginn des Prozesses, bei der Vereidigung der Dolmetscher aufzustehen. "Ich stehe nur für Allah auf", sagte er. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling drohte ihm eine Ordnungsstrafe an.

Schneider ist zusätzlich wegen versuchten Mordes angeklagt, weil er bei seiner Festnahme einem Polizisten die Waffe entrissen und auf ihn geschossen haben soll. Vor eineinhalb Jahren hatten Spezialeinheiten die Gruppe im abgelegenen Dorf Oberschledorn im Sauerland auffliegen lassen. Dort wurden Fässer mit 730 Litern Wasserstoffperoxid zum Bombenbau entdeckt. Die Fahnder hatten den explosiven Stoff schon vor dem Zugriff unschädlich machen können. Nach früheren Angaben der Bundesanwaltschaft wäre die Sprengkraft der Bomben größer gewesen als die der islamistischen Anschläge von London und Madrid mit 56 beziehungsweise 191 Toten.

Verteidiger bemängeln die Ermittlungen

Die Verteidiger kritisierten, dass von Geheimdiensten rechtswidrig gewonnene Erkenntnisse verwertet worden seien. Die treibende Kraft für die Fahrten der Angeklagten zu möglichen Anschlagsorten sei ein V-Mann gewesen. Die Akten seien unvollständig, wesentliche Informationen würden zurückgehalten. Die Verteidigung bestritt auch, dass es die Dschihad-Union überhaupt gibt.

Schneider droht wegen Mordversuchs lebenslange Haft, Gelowicz und Yilmaz eine Höchststrafe von 15 Jahren. Selek, der lediglich die Zünder beschafft haben soll, drohen maximal zehn Jahre Haft. Die Prozessunterlagen füllen inzwischen 530 Aktenordner, es wird eine lange Prozessdauer erwartet. Allein die Anklage hat 219 Zeugen benannt. An diesem Donnerstag sollen bereits 21 Zeugen - überwiegend Verwandte der Angeklagten - aussagen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt noch gegen einen fünften Verdächtigen.

DPA/AP / AP / DPA