Terrorhysterie Der Gebetsbomber von Philadelphia


Die Angst vor dem Terror treibt dieser Tage manch seltsame Blüte. In Deutschland büxt ein Passagier aus, der möglicherweise Sprengstoff, vielleicht aber auch nur Parfüm am Laptop hatte. In den USA wird ein jüdischer Passagier verdächtigt - dabei wollte er nur beten.

Während Deutschland über den großen Unbekannten rätselt, der am Flughafen München durch die Sicherheitskontrollen spazierte und anschließend spurlos verschwand, hebt die Terrorangst in den USA mal wieder in die Lüfte ab.

"Ein amerikanisches Flugzeug ist am Donnerstag nach einem Bombenalarm umgeleitet worden und sicher auf dem internationalen Flughafen in Philadelphia (Pennsylvania) gelandet", tickerte es um 16.30 Uhr über die Nachrichtenagenturen. "Detroit" poppt im Redakteursgedächtnis auf und der Newsroom geht in Erinnerung an den verhinderten Anschlag von Weihnachten in Hab-Acht-Stellung.

Was CBS berichtet, trägt ebenfalls nicht zur Entspannung bei: Der Passagier habe nach dem Start eine Vorrichtung mit Draht an seinem Kopf befestigt. Es riecht nach Selbstmordanschlag, nach Beinahekatastrophe. Wozu trägt der Kerl sonst einen Draht um den Kopf?

Eine Stunde später riecht es nur noch nach Hysterie. Was jetzt über den Ticker läuft, klingt weniger bedrohlich denn absurd: "Die angebliche Bombendrohung gegen ein US-Passagierflugzeug auf dem Weg von New York nach Kentucky hat sich als Fehlalarm entpuppt. Nach Angaben von Sicherheitskräften handelte es sich bei dem am Donnerstag in Philadelphia festgenommenen Passagier um einen orthodoxen Juden, der an Bord der Maschine lautstark gebetet und dabei einen so genannten Gebetsriemen mit Bibelversen um den Kopf getragen hatte." Bittere Ironie, dass ein Jude eines Terroraktes islamischer Machart verdächtigt wird. Die "Bombenvorrichtung" nennt sich übrigens Tefillin.

ben

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