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Terrorprozess: Kernkraftwerk im Visier von Terroristen

Zum ersten Mal hat ein Mitglied der 9/11-Kommission im Hamburger Terrorprozess ausgesagt. Demnach soll auch ein Kernkraftwerk ein potentielles Anschlagsziel gewesen sein.

Die Terrorpiloten des 11. September haben auch einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk ins Auge gefasst. Das geht aus Angaben des mutmaßliche Al-Kaida-Aktivisten Ramzi Binalshibh hervor, über die am Mittwoch ein Mitglied der amerikanischen 9/11-Kommission als Zeuge im Hamburger Terrorprozess aussagte. Demnach soll Mohammed Atta den anderen Todespiloten Ziad Jarrah und Marwan Alshehhi vorgeschlagen haben, mit einem der Flugzeuge ein Atomkraftwerk anzugreifen. Ein solches Kraftwerk befindet sich 40 Kilometer von New York entfernt, so das Kommissionsmitglied Dietrich Snell.

Widersprüchliche Aussagen

Warum aus dem Plan nichts wurde, ist unklar. Die von den USA gefangen genommenen Islamisten Binalshibh und Khalid Scheich Mohammed widersprechen sich laut Snell in dieser Frage. Nach Angaben Binalshibhs wurde Attas Vorhaben wegen der besseren Luftraumüberwachung in der Nähe von Kernkraftwerken fallen gelassen. Scheich Mohammed sagte dagegen aus, ein zerstörtes Kraftwerk habe nicht den von den Terroristen erwünschten symbolischen Effekt gehabt. "Es ging ihnen um wirtschaftliche, politische und militärische Ziele", sagte Snell. Das sei mit den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon erreicht worden. Lediglich das Flugzeug, das für das Weiße Haus oder das Kapitol bestimmt war, stürzte vorher in Pennsylvania ab.

Zum ersten Mal hatte am Dienstag und Mittwoch ein Mitglied der 9/11-Kommission des amerikanischen Kongresses in einem Hamburger Terrorprozess ausgesagt. Die unabhängige Kommission hatte die Vorgeschichte der Terroranschläge vom 11. September 2001 aufgearbeitet und Vorschläge zu Reformen der Behörden gemacht. Der Bericht, in dem es auch um die Hamburger Verbindungen der Terrorpiloten geht, wurde Ende Juli 2004 veröffentlicht. Snell hatte wie bis jetzt alle amerikanischen Zeugen nur eine beschränkte Aussagegenehmigung.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 30 Jahre alten Mounir El Motassadeq vor, unter anderem durch eine Vollmacht die Vorbereitung der Anschläge vom 11. September 2001 unterstützt zu haben. Er soll außerdem die Abwesenheit der Attentäter aus Hamburg verschleiert haben. Der Elektronikstudent ist wegen Beihilfe zum Mord in über 3000 Fällen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt.

AP / AP